Die Stevia Debatte

Stellt sich raus, über Stevia können die wildesten Diskussionen geführt werden. Ich hab also wieder einmal ein bisschen recherchiert um etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Geschichte dahinter

Stevia ist ein Kraut das der Familie der Korbblütler angehört und seinen Ursprung in Paraguay hat.  Unterschiedlichste Kulturen verwenden das Kraut bereits seit einer Ewigkeit. Vor allem in Südamerika wurden die Blätter der Stevia Pflanze schon von den Ureinwohnern als Süßungsmittel entdeckt und in China ist der alternative Süßstoff bereits seit einiger Zeit in Verwendung.

In den USA wollte man sich bereits vor einigen Jahren die Qualitäten des Superkrauts zu Nutze machen. Allerdings entschied die Food and Drug Administration damals, dass der Konsum von Stevia nicht sicher sei. So haben sie dem Kraut 1991 das Label „unsafe food additive“ verpasst. Der Verschwörungstheoretiker in mir würde ja nun behaupten, dass hier die Zuckerindustrie ihre Finger im Spiel hatte. Man bedenke an dieser Stelle: Geld regiert die Welt und Zucker ist nicht unbedingt ein irrelevanter Wirtschaftsträger. Europa zog entsprechend nach und machte es wie so oft den Amerikanern nach. Im Jahr 2011 haben wir uns das allerdings wieder anders überlegt und seither gilt Stevia auch bei uns als sicher (zumindest bis zu einer Einnahme von 4mg/kg Körpergewicht). Trotz zahlreicher Berichte die belegten, dass Stevia harmlos sei, hatten und haben die Amerikaner allerdings so ihre Probleme mit dem Kraut – vor allem wenn es in seiner normalen, natürlichen Weise verwendet wird. Sie machten es sich also zur Aufgabe an dem grünen Gewächs herum zu tüfteln. Während also das Kraut selbst ungeeignet für den Konsum war, beschlossen sie den künstlich hergestellten Extrakt der Stevia Pflanze als sicher zu deklarieren. Übrigens hinter der Herstellung des Extrakts steckten riesige Unternehmen wie Pepsi. #surprisesurprise Irgendwer der sich an dieser Stelle meiner Verschwörungstheorie anschließen will? 

PROs

Stevia ist rund 300 mal süßer als Zucker und genau deshalb benötigt man auch tatsächlich nur eine geringe Menge davon. Geschmacklich lässt sich darüber streiten. Viele Menschen denken Stevia schmeckt sehr „künstlich“ oder metallisch und zugegeben es hat einen bitteren Nachgeschmack. Stevia hat dafür keine Kalorien und auch keinen Effekt auf unseren Blutzuckerspiegel was das Grünzeug gerade für Diabetiker zu einer tollen Zuckeralternative macht. Außerdem liefert es in seiner natürlichen Form neben Chrom auch Magnesium. Magnesium beispielsweise hilft unserem Körper sogar dabei, dass unser Hormon Insulin besser funktioniert. Studienergebnisse zeigten außerdem, dass Stevia in seiner natürlichen Form das Potential hat Blutdruck senkend zu wirken. In dieser Studie hier wurden Ratten beispielsweise täglich mit Stevia Extrakt gefüttert und nach rund 60 Tagen senkte sich ihr Blutdruck. Weiters konnte herausgefunden werden, dass ein Inhaltsstoff (das Glycosid Steviosid) der Pflanze dabei hilft den Blutzuckerspiegel zu senken, die Insulin Sensibilität zu erhöhen und die Entwicklung der heute gängigen Volkserkrankung Insulin Resistenz zu verzögern. Diese Studie hier kam weiters zu dem Schluss, dass Inhaltsstoffe des Stevia Blattes sogar die Fähigkeit haben Krebs – im Speziellen Brustkrebs – zu bekämpfen. Auch diese Studie führte zu dem Schluss dass Inhaltsstoffe der Pflanze zum Zelltot diverser Krebsarten führt.

So. Und nun gibt es natürlich auch zahlreiche Gegenargumente im Hinblick auf Stevia.

etraining

Vermeintliche Cons und mein Senf dazu

Das Blutzuckerproblem

Stevia hat wie gesagt keinen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Es ist schließlich nur ein simples Kraut. Nun ergibt sich aber offenbar folgendes Problem: da Stevia extrem süß schmeckt, denkt sich unser Körper, dass gleich jede Menge Zuckermoleküle im Blut landen und er reagieren muss. Unser Körper sorgt also in weißer Voraussicht dafür, dass die aktuell herumschwirrenden Zuckermoleküle verschwinden – ein niedriger Blutzuckerspiegel ist die Folge – um Platz für den bald eintreffenden Zucker zu schaffen. Naja, weil das nach dem Konsum von Stevia nicht der Fall ist, reagiert unser Körper mit dem Ausstoß von Stresshormonen die in der Not dafür sorgen, dass Zucker aus unseren Muskeln und der Leber mobilisiert wird um die entstandene Lücke auszugleichen. Kontinuierlicher Ausstoß von Stresshormonen hat natürlich keinen ganz so tollen Effekt auf unseren Körper: geschwächtes Immunsystem, schlechter Schlaf, Schilddrüsenprobleme etc. können die Folge sein. Also, dieses Blutzuckerspektakel tritt offenbar nicht bei allen von uns ein. Manche von uns reagieren nicht mit einem geringen Blutzuckerspiegel auf den süßen Geschmack von Stevia und alles bleibt im grünen Bereich. An dieser Stelle sei anzumerken, dass Stevia selten alleine konsumiert wird, sondern als Ergänzung in diversen Gerichten vorkommt, die so oder so auch Zuckerquellen darstellen – und sei es nur eine Dattel, etwas Mehl oder eine Süßkartoffel. Insofern hebt sich dieses Problem dann auch wieder auf – vor allem wenn man bedenkt dass Stevia so oder so nur in minimalen Mengen zugeführt wird.

Das Heißhunger Problem

Nun soll der Konsum von Stevia allerdings auch die Folge haben, dass wir danach mehr Heißhunger auf Süßes verspüren. Auch hier geht man davon aus, dass der extrem süße Geschmack Ursache dafür ist. Stevia täuscht uns im Grunde vor, dass Kalorien aufgenommen werden. Ist dies dann aber nicht der Fall, will unser Körper sich die erst recht irgendwie holen. Könnte stimmen. Müsste man selbst ausprobieren und testen. Mein Favorit im Bereich der Zuckeralternativen ist immer noch der gute alte Honig der auch noch ein toller Immunsystem-Booster ist. 

Das Hormon Problem

Naja und im Hinblick auf den Hormonhaushalt soll Stevia laut diverser (fragwürdiger) Studien aus dem Jahre Schnee (1968 zum Beispiel) ebenso einen Einfluss haben. Das enthaltene Steviosid soll unsere Sexualhormone Progesteron und Östrogen beeinflussen und im Endeffekt hat das zur Folge, dass die Fruchtbarkeit eingeschränkt wird – bei Frauen und Männern. Zahlreiche weitere Studien die vor allem mit hohen Dosen an Stevia durchgeführt wurden, können dies allerdings ein für alle mal widerlegen.

Das Zusatzstoff Problem

Heute wird Stevia vor allem als Extrakt bzw. Stevia Glykosid verwendet. Persönlich verwende ich Stevia selten und wenn dann eigentlich nur in geringen Mengen und in seiner natürlichen, pulverisierten Form. Der Extrakt enthält oft unterschiedliche Dinge wie Aromen oder Erythrit und im Herstellungsprozess kommen Dinge wie Aceton zum Einsatz die erwiesenermaßen Krebs verursachen können. Aromen können uns dazu bringen mehr und mehr konsumieren zu wollen und Erythrit ist zum Beispiel ein Zuckeralkohol das oftmals aus genetisch verändertem Mais gewonnen wird und ähnlich wie auch Xylitol zwar ein Zuckerersatz ist aber nicht unbedingt verdauungsfreundlich agiert. Aceton – naja das kennen wir von Nagellack. #enoughsaid Stevia ist heute auch in Form von weißem Pulver erhältlich. Auch hiervon kann ich mich nur schwer begeistern lassen, da es oft mit Traubenzucker gemischt wird. Auch dieser wird heute immer öfter aus genetisch veränderten Substanzen gewonnen. Außerdem ist es doch echt sinnfrei Stevia (das zuckerfreie, kalorienarme Kraut) dann erst wieder mit einem Zucker zu mischen?! Ich bin sicher es gibt auch Produkte die weniger Problematik in der Produktion aufweisen und ebenso weniger merkwürdige Inhaltsstoffe involvieren. Bisher konnte ich aber nur selten genaue Angaben zu eben diesen Schritten finden. Hinterfragen lohnt sich aber bestimmt.

Fazit

Immer wieder finde ich es verwunderlich, dass wir es für nötig empfinden natürliche Produkte zu verändern um sie noch „besser“ zu gestalten als sie es schon sind. Mein persönliches Fazit ist an dieser Stelle, dass das natürliche Kraut auf meinem Balkon wächst wie Unkraut und in dieser Form seit vielen, vielen Jahren von einheimischen Stämmen in Südamerika (ohne Probleme und in kleinen Mengen) verwendet wird um beispielsweise Tee zu süßen. Dennoch können sich die „Big Player“ mit dieser Form der Zuckeralternative nicht anfreunden. Die industriell ver- und bearbeitete Form wird jedoch beworben ohne Ende und scheint akzeptabel zu sein.

Die in Europa limitierte Menge auf 4mg/kg Körpergewicht begründet auf dem Mangel an Studien die Menschen involviert. Nachdem Stevia aber extrem süß ist, benötigt man so oder so nicht viel davon. Will man allerdings diverse Energy Drinks nachstellen, dann wird aufgrund dieses Limits in Produkten heutzutage Stevia mit herkömmlichem Zucker gemischt. Mag sein das Coca Cola und Co dann etwas „weniger“ Zucker enthalten (immer noch genug) aber das eigentliche Ziel sollte doch an dieser Stelle sein, dass wir uns von diesen extrem süßen Getränken wegbewegen. Die heute übliche Überstimulation des süßen Geschmacks ist schlicht und ergreifend nicht normal für uns und treibt uns in einen Teufelskreis in welchem wir immer mehr und mehr Süßes wollen – gesundheitliche Folgen inklusive. Meiner Ansicht nach ist es also angebrachter einen Schritt retour zu machen, den Konsum von Süßem im Allgemeinen zu reduzieren und nicht ständig nach Alternativen zu suchen die eins zu eins schmecken wie das künstlich hergestellte Produkt. So ein völlig natürlicher Apfel oder eine Dattel würden das Verlangen nach Süßem auch schon stillen.

Wenn wir uns außerdem erstmal besagte, völlig unnatürliche Getränke und Speisen abgewöhnt haben, schmecken sie uns so oder so nicht mehr. Und dann reicht uns auch eine kleine Menge Stevia um ausreichend Süße in Gerichten zu erzeugen. Für mich gilt also: Wenn Stevia, dann aber in natürlicher Form. Und wer immer noch skeptisch ist, der könnte auch einen Blick auf diese gesunden Zuckeralternativen hier werfen und sich mit Gewürzen und Co vertraut machen die ebenso eine süße Note verleihen. Je natürlicher umso besser würde ich sagen.

Anmerkung: Nachdem ich keine Doktorarbeit schreiben wollte, habe ich für diesen Beitrag nicht jede verfügbare Studie gelesen, glaube aber einen ganz guten Eindruck zum Thema bekommen zu haben. Ich empfehle aber selbst weiter zu recherchieren und würde mich über eure Erkenntnisse in den Kommentaren freuen. 

Hier hätte ich noch ein Rezept für euch mit dem ihr selbst Stevia Extrakt herstellen könnt. Dieser Prozess verläuft außerdem ziemlich natürlich und involviert keine 40+ Schritte wie es im industriellen Verfahren der Fall ist:

Zutaten

Stevia Blätter, frisch oder getrocknet

Bio-Vodka

Man fülle ein Glas zur Hälfte mit getrockneten Steviablättern und gieße das Ganze mit Vodka auf. Die Mischung lässt man bis zu 24h (max.) stehen. Nach der Einweich-Phase werden die Blätter abgeseiht und die nun bräunliche Flüssigkeit solange gekocht bis sie dickflüssig ist und der Alkohol verdampft ist. Vorsicht das Ganze soll nie wirklich heiß kochen. Idealerweise startet man bei geringster Temperatur und arbeitet sich langsam etwas rauf! Es dauert rund 30 Minuten bis zu 1 Stunde bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Übrigbleibt eine sehr dickflüssige und extrem süße Flüssigkeit. Eine Messerspitze davon reicht schon aus um beispielsweise Tee zu süßen.

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