Fruktose-Unverträglichkeit. What the hell? Oder doch: Gott sei Dank!

Nachdem ich ständig Bauchschmerzen, Verdauungsprobleme und dergleichen hatte, ging ich nun doch endlich mal zum Arzt. Eine Magenspiegelung und einige Tests später stellte sich schließlich heraus, dass mein Körper keinen Fruchtzucker verträgt. Nachdem ich mit einer schwerwiegenderen Diagnose  (Danke, Google!) gerechnet habe, klingt Fruchtzucker-Malabsorption aus heutiger Sicht zwar kompliziert, aber im Vergleich doch nur mehr halb so schlimm. Dennoch, es bedarf einigen Stunden des Studierens und Ausprobierens, bis ich beruhigt in meine Ernährungs-Zukunft blicken konnte.

Wie es zu einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit überhaupt kommt

Wir – das sind immerhin 30 bis 40 % Prozent von uns – sind schlicht und ergreifend defekt! Nicht wir per se, aber unser Transportsystem im Dünndarm. Grundsätzlich haben wir verschiedenste Transportproteine in unserem Körper. Eines davon heißt Glut-5 und ist das Einzige, das Fruchtzucker transportieren kann. Alle anderen Gluts (Glut 1 bis 4) transportieren erfolgreich Glukose (Traubenzucker) in unserem Körper umher, um diesen mit genügend Energie zu versorgen. Glut-5 kommt in unserem Körper ausschließlich im Dünndarm vor, wo es den Fruchtzucker aus unserer Nahrung verarbeitet. Glut-5 steht aber nun mal in manchen Fällen nicht ausreichend zur Verfügung. Das führt schließlich zu einer eingeschränkten Aufnahme von Fruktose über den Dünndarm. Daher wird der Fruchtzucker in den nächsten Trakt, den Dickdarm, weitergeleitet und verursacht dort verschiedenste Beschwerden.

Zu den klassischen Symptomen einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit gehören schließlich meist Blähungen, Bauchschmerzen, Darmgeräusche, Durchfall, Übelkeit, Unterbauchkrämpfe – also die besonders „angenehmen“ und für die meisten von uns ziemlich peinlichen Symptome! Hinzukommen oft Müdigkeit, innere Unruhe, Anspannung, Depression, Heißhunger auf Süßes und so weiter. Die akuten Symptome treten meist nach dem Konsum fruchtzuckerhaltiger Nahrungsmittel auf. Das kann direkt nach dem Essen sein oder sich um einige Stunden verzögern. Inwieweit jeder von uns Fruchtzucker beschwerdefrei verträgt, ist individuell und von den restlichen Bestandteilen unserer Nahrung abhängig. Grundsätzlich kann selbst ein gesunde Körper mit einem intakten Transportsystem Fruchtzucker nur in geringen Mengen verarbeiten.

Zahlreiche Studien belegen, dass übermäßiger Konsum von Fruchtzucker bei jedem von uns zu erhöhter Fettproduktion führt und zahlreiche perfekt funktionierende Funktionen in unserem Körper außer Kraft setzt. Die Wenigsten vertragen Fruchtzucker in großen Mengen. 

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Wo ist Fruchtzucker eigentlich überall drinnen?

Leider ist das Aufspüren von Fruktose in unserer Nahrung nicht ganz so einfach wie es zunächst klingt. Fruktose gehört zu den Einfachzuckern und kommt in natürlicher Form vorwiegend – irgendwie logisch – in Obst und Gemüse vor! Es wäre aber nicht unsere Nahrungsmittelindustrie, würde sie nicht auch in anderen Nahrungsmitteln still und heimlich Fruchtzucker einschleusen. Hierzu sollte man vor allem wissen, dass herkömmlicher Haushaltszucker, Rohrzucker oder dergleichen aus 50% Fruchtzucker und 50% Traubenzucker bestehen! Jetzt wird also nicht nur unser Obst in der heutigen Zeit immer süßer gezüchtet, was auch viel mehr Fruchtzucker bedeutet. Auch Fertiggerichten wie Pastasaucen, herkömmlichem Brot, Fruchtsäften, Limonaden, Low-Fat Produkten, Joghurts, Süßigkeiten und vielem mehr wird künstlich Fruchtzucker beigefügt. Warum fragt man sich? Weil dieser Zucker die mit Abstand höchste Süßkraft unter den Zuckern hat, extrem billig ist, Feuchtigkeit bindet (saftiges ist nun mal g´schmackiger!), zu einem schnelleren Süßeempfinden führt und – hier kommt’s – süchtig macht und Hunger fördert. Wir alle können uns vorstellen, dass die Nahrungsmittelindustrie ein Riesen-Geschäft mit und vor allem aber dank Fruchtzucker macht.

Warum wir Fruchtzucker-Problematiker eigentlich gesegnet sind!

Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, gibt es zahlreiche Studien die besagen, dass zu hoher Fruchtzucker-Konsum den Fettgehalt der Leber erhöht, zu einer Insulinresistenz und in Folge zu Diabetes und Übergewicht führen kann. Hallo Volkskrankheiten! Weiters greift Fruchtzucker unser Immunsystem an, führt vor allem bei Kindern zu Hyperaktivität, ist Futter für Krebszellen und wird mit zahlreichen weiteren Krankheiten in Verbindung gebracht.

Heutzutage isst der Durchschnitts-Bürger der westlichen Welt mehr als ein Kilo Zucker pro Woche! P R O  W O C H E  um es nochmal zu betonen! Auch in Ländern wie Japan oder China breitet sich „unser“ Essverhalten aus. Dies kombiniert mit der Tatsache, dass immer mehr Leute in Städte ziehen, das Land und ergo auch das ländliche, bescheidenere Essen hinter sich lassen, führt zu einem stetigen Anstieg sogenannter Volkskrankheiten weltweit.

Vor gut 200 Jahren haben wir Menschen so gut wie gar keinen Fruchtzucker zu uns genommen. Ziemlich extreme Veränderung für unseren Körper. Kein Wunder, dass manche von uns Unverträglichkeiten oder dergleichen entwickeln. Studien zu Folge ist der menschliche Körper nämlich genetisch auf die Ernährung der Steinzeit angepasst. Dieser Ernährungsform ist der Mensch rund 2,5 Millionen Jahre gefolgt. In den vergangenen, vergleichsweise kurzen 10.000 Jährchen aber veränderte sich die Ernährungsweise des Menschen so drastisch, dass dies zu immer mehr Krankheiten führt.

Als jemand der Fruchtzucker nun mal einfach nicht verträgt, sehe ich das Ganze sehr positiv. Ich bin davon überzeugt, dass mein Körper mir durch diese Unverträglichkeit mitteilt, die Finger von dem weißen Zeug zu lassen. Und nachdem ich heute weiß wie schädlich Fruchtzucker für uns alle ist, bin ich ganz dankbar dafür defekt zu sein.

Was tun als Fruchtzucker-Problematiker oder Verweigerer?

Man hat eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit und/oder die zahlreichen Infos zu Fruchtzucker haben einen davon überzeugt die Finger von dem Zeug zu lassen? Was soll man nun essen mag man sich fragen? Nur die Ruhe! Es bedeutet nicht, dass man ab sofort auf jedes Stück Obst und Gemüse verzichten muss. Schließlich gehören diese zur Basis einer gesunden Ernährung. Jede Art von Gemüse und in erster Linie Obst enthalten zwar Fruchtzucker, aber auch für uns wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe. Gerade Ballaststoffe erleichtern unserem Körper die Aufnahme von Fruchtzucker.

Die süßeste unter den Früchten, der Apfel, enthält 8% Fruchtzucker. Dies entspricht rund 2 Teelöffeln Zucker und ist im Verhältnis zu Nahrungsmitteln mit künstlich beigefügtem Zucker äußerst gering. Nimmt man also Fruchtzucker zu sich sollte man ihn, wenn dann ausschließlich in natürlicher Form, also durch Obst und Gemüse zu sich nehmen. Die goldene Regel ist auf jeden Fall, den ganzen industriell hergestellten „Mist“ aus seiner Ernährung zu streichen und sich etwas mehr Gedanken darüber zu machen, was genau man in seinen Körper hineinstopft.

Unser Körper kann zwar mit ein paar kleinen Stück Obst pro Tag ganz respektabel umgehen, aber dennoch sollte man Gemüse dem Obst vorziehen. Es ist einfach fruchtzuckerärmer und verträglicher!

Unsere Vorahnen haben schließlich auch nur gelegentlich die eine oder andere Beere gefunden – was zu Zeiten von Ötzi und Co wohl das Highlight des Tages war.

Man muss aber gar nicht erst so weit zurück gehen. Fragt man mal Oma und Opa können die uns bestätigen, dass Obst dazumal gelegentlich gegessen wurde und eine Besonderheit war. Kein Vergleich mit unserem heutigen extremen Obstkonsum – vor allem in Form von Fruchtsäften, auch bekannt als Fruchtzucker-Bomben.

Gut zu wissen ist auch, dass jedes Obst und Gemüse ebenso den für unseren Körper wichtigen und besser verträglichen Traubenzucker enthält. Ist im Verhältnis zu Fruchtzucker mehr Traubenzucker in einem Obst oder Gemüse enthalten (z.B.: Marillen, Papaya, Spinat), dann sollte man dieses auf jeden Fall bevorzugen. Mehr dazu hier! Und noch ein Tipp: all jene mit einer Nahrungsmittel-Unverträglichkeit sollten sich definitiv mal mit der Gesundheit ihres Darms auseinandersetzen.

Zu betonen ist hier außerdem, dass eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit (Malabsorption) nicht das Gleiche ist wie die seltene hereditäre, also erblichen, Fructose-Intoleranz. Letztere ist eine angeborene Stoffwechselkrankheit, wohingehend die Fruchtzucker-Unvertäglichkeit, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist. Bei einer erblichen Fructose-Intoleranz kann es bei Konsum von Fruchtzucker u.a. zu Unterzucker, Leber- oder Nierenschäden kommen. Daher ist Fruchtzucker in so einem Fall auch voll und ganz aus der Ernährung zu streichen und ein Arzt aufzusuchen.

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3 Kommentare

  • Reply
    Gesunde Multikorn-Pancakes mit Kefir und Chia-Marmelade
    20. Oktober 2015 at 22:18

    […] um die halbe Welt zu reisen. Ihre Rezepte sind obendrein fructosearm. Auch Eva hat dank einer Fructose Malabsorption kräftig ihre Ernährung […]

  • Reply
    Christina
    18. Februar 2016 at 20:51

    Liebe Eva. Vielen Dank für deinen tollen Blog und diesen tollen Bericht über Fructose Unverträglichkeit. Ich selbst habe erst vor kurzem die Diagnose bekommen und somit endlich den Grund für meine Probleme. Und in deinem Bericht hab ich mich wieder gefunden. . Und vorallem hat er mich aufgebaut und der Titel hat mir Motivation gebracht meine Ernährung umzustellen. Dein Blog hat mir bis dato bereits sehr geholfen und mich inspiriert! Somit nochmal kurz und bündig : super Arbeit, VIELEN DANK 🙂

    • Reply
      Eva
      18. Februar 2016 at 23:47

      Das freut mich jetzt aber sehr. Danke dir für deine netten Worte. Ich freu mich wenn ich dir hier helfen konnte. Alles Liebe, Eva 🙂

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