Inspirierende Individualisten: Marion Selzer – Teil 2 im Gespräch um Zucker

In Teil 1 dieses spannenden Interviews hat Marion einen Einblick in die Klassifikation einer Zuckersucht gegeben. Sie hat das wertvolle Vitamin B1 und seine Rolle bei einer Zuckersucht vorgestellt sowie erläutert warum die Kombination aus Fett und Zucker eher suboptimal ist. Auch in Teil 2 geht es spannend und informativ weiter. Marion beantwortet meine Fragen zum Blutzuckerspiegel, berichtet auf was es bei der Nahrungsaufnahme ankommt und beschreibt die Rolle des Hormons Serotonin sowie unsere Emotionen im Hinblick auf Zucker. Und vieles mehr.

Im Grunde kann man sagen, dass wir Menschen aufgrund dieses enormen Angebots an Zucker in der heutigen Ernährung und den chemischen Prozessen die Zucker in unserem Körper veranstaltet, nicht viel für unsere Zuckersucht können. Die typischen Aussagen wie „Du musst einfach nur weniger essen!“ sind also völlig überflüssig. Welche Faktoren führen dazu, dass es uns so schwer fällt die Finger vom Zucker zu lassen?  

Wie bereits angesprochen, irritiert zuckerhaltige Nahrung vor allem in der Verbindung mit schlechten Fetten das Belohnungssystem derart, dass es unheimlich schwer fällt, sich an solchen Produkten nicht zu überessen. Das sind Prozesse, auf die wir mit unserem Verstand kaum Zugriff haben und daher nicht mit Ratio und Vernunft lösen können. Außerdem bringt eine zuckerhaltige Ernährung unser gesamtes Hormonsystem aus dem Gleichgewicht, so dass wir ständig Lust auf etwas Süßes haben. Erschwerend kommt hinzu, dass Softgetränke, Süßigkeiten oder Teigwaren aus Weißmehl an jeder Straßenecke zu erhalten sind und es gesellschaftlich toleriert ist, dass wir täglich und zu jeder Mahlzeit etwas aus Zucker oder Weißmehl essen. All diese Faktoren machen es so verdammt schwer, der Zuckerfalle zu entkommen.

Wissen ist für mich einer der wichtigsten Bausteine einer Ernährungsumstellung. Stimmst du hier zu und wenn ja, warum?

Absolut! Denn nur, wenn wir die Zusammenhänge hinter unserem Essverhalten wirklich verstehen, können wir die geeigneten Maßnahmen finden, um zu einer gesünderen Ernährung zu finden. Der Verstand ist ein wichtiges Werkzeug, das wir nicht unterschätzen sollten. Nur, wenn er mit uns gemeinsam an einem Strang zieht, kann eine Ernährungsumstellung gelingen, so jedenfalls meine Erfahrung. Und Wissen ist dazu ein essentieller Baustein.

Eine gute Ernährungsbasis fängt für mich mit einem stabilen Blutzucker an. Würdest du zustimmen und wie geht man das deiner Meinung nach an?

Korrekt. Wenn der Blutzucker ständig großen Schwankungen ausgesetzt ist, ist es fast unmöglich, sich gesund zu ernähren, da dann Kräfte am Werk sind, die unser Überleben sichern möchten und die wir nicht mit unserem Willen kontrollieren können. Das A und O ist für mich die erste Mahlzeit des Tages, hier werden zumeist die Weichen für die restliche Ernährung des Tages gestellt. Ich empfehle daher meinen Klienten, genau hier anzusetzen. Das heißt, in der ersten Mahlzeit des Tages alles streichen, was den Blutzucker stark in die Höhe schnellt. Also kein Weißmehl, kein Zucker, keine Obstsäfte, keine Obstsalate, keine Obstsmoothies, kein gezuckertes Müsli usw. Aber auch der emotionale Zustand, den wir beim Essen haben, ist in dieser Hinsicht wichtig. Wenn wir unter Strom stehen und gestresst essen, führen die gleichen Nahrungsmittel zu einem viel höheren Blutzuckeranstieg, als wenn wir sie in einem ruhigen und entspannten Zustand zu uns nehmen. Denn Stress bedeutet immer auch eine vorübergehende Insulinresistenz. Ich rate daher dazu, nur in einer entspannten Wohlfühlatmosphäre ohne äußere Ablenkung zu essen. Das heißt, ohne Bildschirm, Zeitung oder aufwühlende Tischgespräche. Ein in meinen Augen wesentlicher Faktor, der viel zu oft unterschätzt wird.

Drei Tipps für ein gesundes und blutzuckerfreundliches Frühstück habe ich übrigens in diesem Artikel zusammengetragen>>

Keine Angst vor „gesunden“ Fetten! Das ist so ziemlich die erste Information die ich in Ernährungstrainings weitergebe. Siehst du das ähnlich und was ist deine liebste Fettquelle?

Absolut! Beim Thema Fette herrscht ja leider immer noch viel zu viel Verwirrung. Während veränderte Fettsäuren zu den in meinen Augen ungesündesten Substanzen in Fertiggerichten gehören, sind gesunde Fette heute oft Mangelware. Ich setzte dabei vor allem auf Kokosöl und (Rohmilch-)Butter, die beide recht viel mittelkettige Fettsäuren enthalten, die anders als andere Nährstoffe, direkt und ohne Mikronährstoffe in Energie umgewandelt werden können. Das entlastet unseren Stoffwechsel ungemein und kann gerade für Zuckersüchtige einen wichtigem Baustein zu einem harmonischen Essverhalten darstellen.

Du sprichst viel von unserem Glückshormon Serotonin und seiner wertvollen Rolle im Hinblick auf einen Zuckerentzug. Kannst du ein bisschen erklären warum es so wichtig ist und was wir tun können um genug davon zu haben?

Serotonin ist ein Botenstoff, der immens wichtig für unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit ist. Sobald Serotonin gebildet wird, fühlen wir uns entspannt und gelassen. Wir erleben uns sozusagen im Einklang mit der Welt und unser Leben als sinnhaft. Sinkt der Serotoninspiegel, sinkt auch unsere Stimmung. Wir fühlen uns niedergeschlagen und depressiv. Das kann für alle, die gelernt haben, ihre Stimmung durch Essen zu regulieren, natürlich gefährlich werden. Zudem hat Serotonin einen nicht unerheblichen Einfluss auf unsere Impulskontrolle. Wird zu wenig Serotonin gebildet wird, verschlechtert sich unsere Impulskontrolle, wir handeln dann impulsiv und können nicht mehr „Nein“ zu Dingen sagen, die uns eigentlich nicht gut tun. Gleichzeitig steigt die Lust auf Süßigkeiten, Weißmehlprodukte und Alkohol, weil diese Dinge in der Lage sind, die Serotoninproduktion anzuregen und damit unsere Stimmung anzuheben. Ein Teufelskreis beginnt.

Gerade für Zuckersüchtige ist ein ausgewogener Serotoninspiegel daher wichtig. Glücklicherweise können wir selbst einiges dazu tun, um die Serotonin-Produktion anzukurbeln. Zum einen sollten wir Stress meiden, für ausreichend Entspannung sorgen, uns täglich an der frischen Luft bewegen, vor allem, wenn die Sonne scheint. Weil Serotonin aus der Aminosäure Tryptophan gebildet wird, können wir auch über die Ernährung einiges erreichen, indem wir tryptophanreiche Nahrungsmittel zu uns nehmen wie Sojabohnen und daraus gewonnene Produkte wie Tofu, Sojawürsten, Tempeh usw., Mandeln, Cashewnüsse, Walnüsse, Parmesan, Fisch und Fleisch, Emmentaler Käse, Erdnüsse, Bananen, Kakaopulver, Erbsen, Lachs, Haferflocken oder Pilze.

Da  Serotonin vor allem über die Neuronen im Dünndarm und nur zu etwa zehn Prozent im Gehirn gebildet werden, kann sich auch eine Darmsanierung sowie das Einhalten täglicher Nahrungsaufnahmepausen (intermittierendes Fasten) positiv auf die Bildung dieses Botenstoffs auswirken. Wir sind unserer Biochemie also nicht hilflos ausgeliefert, sondern können durch entsprechendes Verhalten einiges bewirken!

Emotionen und Zuckersucht?! Wie spielen diese beiden Dinge zusammen?

Die meisten, die dazu neigen, zu viel zu naschen oder ganz allgemein dazu, sich zu überessen, essen oft nicht, weil sie wirklich hungrig sind, sondern, weil sie gelernt haben, dass sie sich durchs Essen besser fühlen. Raffinierte Kohlenhydrate, isolierte Fette und andere Substanzen in der Nahrung stimulieren unser Belohnungssystem im Gehirn derart stark, so dass nach jedem Verzehr von Süßigkeiten, Weißbrot und anderer moderner Kunstprodukte der Lebensmittelindustrie eine große Portion Glücksbotenstoffe freigesetzt wird, die uns unmittelbar nach dem Verzehr in eine euphorische Wohlstimmung versetzt. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten von als Kinder mit Bonbons ruhig gestellt, mit Schokolade belohnt oder mit einem Eisbecher getröstet wurden. Die Kopplungen prägen sich tief in den Strukturen unseres Gehirns ein, wir lernen, Nahrung als Stimmungsaufheller einzusetzen und nehmen diese Muster dann auch mit in unser Erwachsendasein. Meiner Erfahrung nach ist es immens wichtig, diese Zusammenhänge aufzudecken, anzunehmen und entsprechend aufzulösen, um hartnäckige Essensmuster dauerhaft ändern zu können.

Hast du 3 schnelle Tipps die LeserInnen sofort umsetzen können um ihren Zuckerkonsum zu reduzieren?

Mehr Vitalstoffe zuführen!

Da Heißhunger oft durch Vitalstoffmangel ausgelöst wird. Ich setze hier vor allem auf grünes Blattgemüse und Wildkräuter (Stichwort grüne Smoothies), rohe gesättigte Fette aus der Kokosnuss oder Rohmilchbutter (Stichwort weiße Smoothies) und hochwertige Nahrungsergänzungen.

Echten Zucker essen und raffinierten Zucker meiden!

Parallel dazu würde ich versuchen, sämtlichen Industriezucker zu meiden und die Lust auf Süßes durch natürliche Süßquellen zu stillen wie frisches, reifes Obst, Datteln oder Honig in Rohkostqualität. Wer dazu tendiert, sich dauerhaft an diesen Nahrungsmitteln zu überessen, der tut vermutlich gut daran, mal eine Zeit lang komplett auf alles, was süß schmeckt, zu verzichten.

Gut zu sich zu sein!

Zuckersüchtige sind häufig Menschen, mit einem starken Helfersyndrom, die sich gerne und viel um ihre Mitmenschen kümmern. Nur leider kommen dabei ihre eigenen Bedürfnisse oft zu kurz. Häufig handelt es sich auch um sehr ehrgeizige Temperamente, mit übertriebenen Anforderungen an sich selbst und einem Hang zum Perfektionismus, den sie dann mit dem Überessen kompensieren. Daher rate ich jedem, der unzufrieden mit seinem Essverhalten ist, gut für sich selbst zu sorgen, auf ausreichend Erholungsphasen zu achten und sich ganz bewusst Zeit für und mit sich allein zu gönnen.

Noch ein paar schnelle Fragen:

Wonach greifst du wenn du Appetit auf etwas Süßes hast?

Kokosmus mit Datteln und Kakaobohnen oder ungesüßte Schlagsahne mit Obst.

Was hattest du heute zum Frühstück?

Nichts 😀 Ich frühstücke generell nicht, sondern praktizierte intermittierendes Fasten. Dabei fastet man für 14 – 20 Stunden am Tag, das heißt in dieser Zeit verzichtet man auf feste Nahrung (die Schlafzeit einberechnet). Meine Fastenphase dauert bis in die Mittagsstunden hinein, dafür esse ich dann gegen Nachmittag und abends.

Was darf in deinem Kühlschrank nie und nimmer fehlen? 

Gute Frage, das variiert von Phase zu Phase. Gerade habe ich ein starkes Verlangen nach Butter.

Obst Smoothie oder grüner Smoothie?

Definitiv grüner Smoothie! Reine Obst-Smoothies würde ich nicht empfehlen, von grünen Smoothies bin ich hingegen begeistert.

Liebstes Süßungsmittel das nicht Zucker ist?

Da kommt nichts über mein Stevia Instant Pulver von topfruits.de. Ich vermeide es ja Werbung für bestimmte Produkte zu machen, doch dieses Stevia-Produkt habe ich sonst noch nirgendwo gefunden. Beim Stevia-Instant Pulver handelt es sich um einen löslichen Wasserauszug aus den Blättern der Stevia-Pflanze, der noch alle sekundären Inhaltsstoffe der Pflanze enthält und in meinen Augen nahezu vollwertig ist. Es hat nicht den für Stevia typischen Eigengeschmack und wird von den meisten Menschen (auch denen, die sonst kein Stevia mögen) als angenehm wahrgenommen.

Wichtigster Nährstoff den jeder in Hülle und Fülle haben sollte?

Die Antwort hierauf fällt mir schwer, da es in meinen Augen nicht auf einen einzigen Stoff ankommt, sondern auf das Zusammenspiel von der Gesamtheit aller für uns wichtigen Nährstoffen. Wenn ich aber nur einen nennen dürfte, dann wäre es Chlorophyll aus Pflanzengrün.

Wo siehst du dich in 5 Jahren? Irgendwelche großen Pläne die du hier schon mal ankündigen willst? 

Zur Zeit habe ich keine großen Pläne, sondern lasse eher alles auf mich zukommen. Ich habe Vertrauen ins Leben, dass es mir genau das bringt, was am besten für mich und meine Entwicklung für das Wohl aller ist.

Wo kann man dich im Netz finden und mehr über dich erfahren? Und vor allem: wo kann man dein Buch bekommen? 

Mehr über mich können Interessierte auf unserer Internetseite www.inspiriert-sein.de nachlesen. Hier gibt es zahlreiche Artikel, sofort umsetzbare Tipps zu den Themen gesunde Ernährung, Bewegung, Essen als Ersatz, Körperoptimierung, Fettverbrennung, Aktivierung der Selbstheilungskräfte, Zellverjüngung uvm. Meine Bücher können in jedem örtlichen Buchhandel bestellt oder ganz einfach übers Internet bezogen werden.

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2 Kommentare

  • Reply
    Ayla
    29. Juni 2017 at 20:26

    Danke für den zweiten und super spannenden Teil über Zucker! 🙂 Emotionen und Zucker sind wirklich eine sehr spannende Sache. Auch das Thema mit dem Serotoninspiegel finde ich super interessant! 🙂 Nur das mit dem intermettierendem Fasten könnte ich nie – dazu bin ich ein viel zu großer Frühstücksmensch und ohne Nährstoffe am Morgen einfach nicht leistungsfähig. 😉 Aber auch da denke ich muss man einfach herausfinden, was einem am meisten gut tut. 🙂

    • Reply
      Eva
      29. Juni 2017 at 23:04

      Danke für deinen Input. Das mit dem Fasten kann ich gut verstehen. Ich bin auch ein Fan von einem gemütlichen Frühstück. 🙂 GLG

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