Ist eine Karenzphase bei einer Fruchtzucker Unverträglichkeit wirklich nötig?

Jeder mir bekannte Arzt empfiehlt eine Karenzphase sobald eine Fruchtzucker Unverträglichkeit diagnostiziert wurde. Irgendwie logisch. Der Gedanke ist der den Übeltäter für einige Zeit auszuschalten damit sich die Verdauung erholen kann. Ich hab sogar schon in Facebook Gruppen wildeste Diskussionen rund um das Thema gelesen. Die Verwirrung ist groß – offensichtlich.

Die Sache ist die … und Achtung es wird wissenschaftlich.

Alle Zucker werden von unserem Körper aufgenommen und dienen uns als Energiequelle. Zucker kann man in diverse Einfachzucker unterscheiden und auch ihre Transportwege differieren in unserem Körper. Fruchtzucker beispielsweise benötigt (unter anderem) ein Transport-Protein namens GLUT5 um in die Darmzellen sowie den Blutkreislauf zu gelangen. Die Aufgabe dieses Transporters ist es Fruktose aus unserer Nahrung aufzunehmen und es in unser Blut zu transportieren. Weitere Transportproteine wie beispielsweise GLUT2 oder GLUT4 sind für die Beförderung von den anderen Einfachzuckern Glukose oder auch Galaktose zuständig und verteilen diese im ganzen Körper. Fruktose wird im Gegensatz dank seiner spezifischen Transporter nur in den Dünndarm, in die Hoden des Mannes (schräg, oder?) und ebenso in die Leber transportiert. Studien in Ratten zum Thema GLUT5 haben ergeben, dass die Menge an GLUT5 im Dünndarm mit der Menge an Fruchtzucker zusammenhängt die konsumiert wird. Sobald die Ratten eine fruktosereiche Ernährung gestartet haben, hat sich auch die Menge der GLUT5 Transporter verfünffacht. Im Grunde lässt dies die Schlussfolgerung zu, dass unser Körper Fruktose nur in Anwesenheit von GLUT5 verarbeiten kann und dieses ausreichend zur Verfügung steht sobald wir Fruktose konsumieren. Wird also kein Fruchtzucker konsumiert, wird auch kein GLUT5 gebildet. Unser Alter beeinflusst auch die Produktion von GLUT5. Ratten und auch Hasen haben beispielsweise kaum GLUT5 Proteine bevor sie abgestillt sind. Kinder von 1 bis 3 Jahren verfügen ebenso über nur eine minimale Menge an GLUT5. Ergo – diese Quetsch Dinger mit viel Obstmus sind eher suboptimal. Nicht nur deshalb sondern auch weil sie generell ziemlich ungesund sind. Mehr dazu hier. Die Symptome eines GLUT5 Mangels gehen einher mit den Symptomen einer Laktose Intoleranz bei welcher das Enzym Laktase zur Verarbeitung von Laktose (Milchzucker) fehlt. Die Folgen sind in beiden Fällen Verdauungsbeschwerden und Bauchschmerzen. Bei einer Fruchtzucker Intoleranz besteht von vornherein schon ein Mangel an GLUT5 und somit kann es bei einem übermäßigen Verzehr von Fruktose zu selbigen Beschwerden kommen.

Während bei einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit die Reduktion von fruchtzuckerreichen  Lebensmitteln durchaus zu empfehlen ist, stellt sich mir die Frage ob ein strenger Verzicht optimal ist.  Die bei einer Fruchtzucker Unverträglichkeit üblicherweise empfohlene Karenz in welcher komplett auf fruchtzuckerhaltige Lebensmittel verzichtet werden soll, schließt nicht nur zum Teil nährstoffreiche Nahrungsmittel für einen gewissen Zeitraum aus, sondern führt offenbar dazu, dass GLUT5 flöten geht. Wird dann wieder zu Fruchtzucker gegriffen – und der steckt in seiner natürlichen Form in ziemlich vielen tollen Lebensmitteln wie auch Gemüsesorten – muss der Körper sich erst wieder umstellen. Das kann durchaus – vor allem wenn man nicht gezielt vorgeht – zu mehr Beschwerden führen.

Persönlich hab ich diese Erfahrung gemacht und damals auf so gut wie alles mit Fruchtzucker verzichtet. Selbst die gute alte Zucchini hat mir schon Angst gemacht. Im Nachhinein bin ich mit einer vor allem anfänglich fruchtzuckerarmen aber dennoch ausgewogenen Ernährungsweise und der gezielten Auseinandersetzung mit meiner Ernährung sowie dem Fokus auf meine Darmgesundheit weiter gekommen. Und genau hier liegt auch meine Kernaussage dieses Artikels. Eine Nahrungsmittel Unverträglichkeit hat einen Ursprung. Sie kommt nicht von irgendwoher. Ein simpler Verzicht mag Linderung verschaffen, setzt bei diesem Ursprung aber nicht an. Selbst die Erfinderin der sogenannten GAPS Diät – diese hat ähnliche Strukturen wie die FODMAPS Ernährungsweise – empfiehlt in solchen Fällen viel eher den Fokus auf die Heilung des Darms zu legen.

Ich bin ja da einer Meinung mit dem guten alten Hippokrates: Der Ursprung einer jeden Krankheit sitzt im Darm. Der Ursprung der Gesundheit übrigens auch. Ist man von einer Unverträglichkeit betroffen, lohnt es sich durchaus über dieses Thema nachzudenken, sich gut beraten zu lassen dabei zu hinterfragen sowie sich selbst mit dem Thema intensiver auseinanderzusetzen.

Achso, und noch ein Tipp. Üblicherweise bekommt man vom Arzt dann meist einen Zettel mit Alternativen mit, die wenig Fruchtzucker enthalten. Oft steht da auch Aspartam als  Zuckeralternative mit drauf. Wer potentielle Gehirnschäden und Sehstörungen vermeiden möchte, der ignoriert diese Empfehlung einfach. Warum? Mehr dazu hier.

Bildquelle: Pexels.com 

etraining

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2 Kommentare

  • Reply
    Maya
    7. Dezember 2016 at 10:25

    Danke für den Beitrag 🙂
    Ich habe meine Laktose Intoleranz glücklicherweise mit ein paar Mittelchen erfolgreich im Griff. Diese zunehmenden Unverträglichkeiten sind echt eine Last. und schränken einen so sehr ein 🙁

    • Reply
      Eva
      7. Dezember 2016 at 13:24

      Gerne. 🙂 Ja, immer mehr Menschen sind leider davon betroffen. Umso wichtiger ist es das Thema von allen Seiten zu betrachten und auch zu hinterfragen was es mit Standardempfehlungen auf sich hat. Jeder ist schließlich unterschiedlich. Das macht es natürlich auch nicht leichter. 😉 Lieben Gruß.

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