Kalorien sind nicht alles!

Viele Menschen achten in der Fastenzeit darauf weniger Kalorien als „normalerweise“ zu sich zu nehmen. So landen dann oft Low-Fat Produkte, Coke Zero Getränke im Einkaufswagen und das Olivenöl im Salat wird ganz genau abgemessen. Auch wenn mich diese Tatsache immer noch erstaunt, muss ich sagen: Kein Wunder! Mainstream Media vermittelt ja auch, dass diese Lebensmittel toll sind und Fett der Übeltäter Nummer 1 ist. Ich erinnere mich immer noch daran, als ich mit einem Haufen Ernährungswissenschaftern in einem Kurs gesessen bin und 90% von Ihnen locker 3 Energy Drinks pro Tag konsumiert haben. Sugarfree versteht sich. Weil Aspartam als Zuckerersatz ja so viel gesünder ist. Da fragt man sich schon wo das Ganze hinführen soll wenn selbst die „Profis“ auf dem Gebiet Kettenraucher sind und ihre eigene Ernährungsweise nicht hinterfragen. Selbstverständlich kann man nicht alle über einen Kamm scheren. Auch klar. Aber gut,  zurück zum Thema. Die Fastenzeit wird meist genutzt um ein paar Kilo zu verlieren. Viele von uns achten dabei vor allem auf die Kalorienzufuhr. Und damit komm ich auch zum heutigen Thema. Ich bin nämlich gar kein großer Fan vom Kalorienzählen. Nicht nur treibt es uns dazu, die Fähigkeit zu verlieren auf die Bedürfnisse unseres Körpers zu hören. Auch das Gespür für unseren natürlichen Hungerinstinkt geht verloren. In meinem letzten Bericht habe ich darüber geschrieben, dass unser Essverhalten heutzutage sehr stark von Vorurteilen belastet ist und wir oft Emotionen wie Frust, Kummer oder Stress mit an den Tisch bringen. Das Zählen von Kalorien kann uns hier noch mehr Steine in den Weg legen.

Was sind Kalorien überhaupt?

Im Grunde handelt es sich bei Kalorien um Maßeinheiten. 1 Kalorie ist die Menge an Energie die benötigt wird damit ein 1 Gramm Wasser um 1 Grad Celsius erwärmt werden kann. Der menschliche Körper benötigt Energie um sich zu bewegen, damit Organe funktionieren, Nerven ihre Arbeit leisten und wir denken können. Unser Körper nutzt Kalorien – also Energie – dazu um funktionieren zu können.

Kalorienverbrauch > Kalorienzufuhr

Geht es um Kalorien in Verbindung mit Gewichtsverlust heißt es, dass man weniger Kalorien essen muss als der Körper verbraucht. Macht Sinn. In jungen Jahren hatte ich selbst mal eine Phase in welcher ich genau wusste wie viel Kalorien ich mir beim 30 Minuten Jogging Abenteuer vom Körper geschwitzt habe um danach zu kalkulieren wie viel Erdbeerjoghurt jetzt noch reinpasst, damit das Ganze in Balance ist. Needless to say … am Abend hat die Tafel Schoko die Arbeit des Tages dann wieder zunichte gemacht. Verbrauchen wir mehr und führen unserem Körper weniger zu, dann greift dieser die Fettreserven an. Logisch, oder? Deshalb wird auch oft gesagt, wer Gewicht verlieren will, muss einfach nur mehr Sport treiben und weniger essen. Das Ganze ist in der Praxis aber nicht ganz so easypeasy.

Was wir essen ist egal. Eine Kalorie ist eine Kalorie – egal woher sie kommt?!

Erstmal nehmen unterschiedliche Nahrungsmittel auch unterschiedliche Wege durch unseren Körper. Fruchtzucker beispielsweise wird von unserer Leber aufgefangen, dort in Glucose verwandelt und dann als Leberglycogen eingelagert. Ist genügen Glycogen da, wird der Rest als Fett eingelagert. Wir wissen heute, dass ein übermäßiger Konsum an Fruchtzucker zu Volkskrankheiten wie Diabetes führen kann. Fruchtzucker hat außerdem das Potential unser Sättigungsgefühl auszuschalten und bringt uns dazu mehr zu essen. Vergleicht man das Ganze mit Fett oder Protein, wird man feststellen, dass schon ein gewaltiger Teil der Energie verbraucht wird um das Zeug erstmal zu verdauen. Dann wird Protein beispielsweise dazu verwendet um unseren Körper aufzubauen und Muskeln zu kräftigen. Die verbrauchen im Endeffekt auch wieder Energie. Zufuhr von Fett hält uns außerdem ganz schön lange satt und treibt uns nicht dazu sofort wieder zu essen. Ergo, 300 Kalorien Fett oder Protein und 300 Kalorien Fruchtzucker haben nicht den gleichen Effekt auf den Körper und können daher auch nicht gleich behandelt werden, oder?

Kalorienreduktion und ihre Folgen …

In einer Hungersnot ist es durchaus richtig, dass wir uns im wahrsten Sinne runterhungern können, an unseren Reserven zehren und dann nur mehr Haut und Knochen sind. In unserem Zeitalter in welchem wir ständig und überall mit Nahrung konfrontiert werden, funktioniert dieses System aber nur halb so gut. Crash Diäten die dauerhaft auf eine minimale Kalorienzufuhr bauen, können gravierende gesundheitliche Folgen für uns haben. Mal abgesehen davon, dass unser Körper sich an die Bedingungen um ihn rum anpasst und wir immer weniger und weniger Kalorien essen müssen um an unser Ziel zu kommen. Eine Hungersnot – ob natürlichen Ursprungs oder herbeigeführten Ursprungs, wie im Rahmen einer Diät, kann über Kurz oder Lang dazu führen, dass unser Körper an jeglichen Reserven festhält und alle „unwichtigen“ Prozesse runterschraubt. Eine Hungersnot wird von unserem Körper schließlich als Stress wahrgenommen und gerade dann hält der an den überflüssigen Pfunden fest um auch ja genügend Reserven zu haben wenn es ernst wird. Unwichtige Prozesse die auf der Strecke bleiben, wären dann beispielsweise unser Hormonhaushalt oder unsere Verdauung. Nicht nur unsere Schilddrüse und somit auch unser Metabolismus sowie das Level an Testosteron in unserem Körper können dann dauerhaft unter unserem Vorgehen leiden.

Auch unser Blutzuckerspiegel wird durch Kalorienrestriktion ganz schön mitgenommen. Und fährt der mal Achterbahn, ist es unglaublich schwierig für uns motiviert und standhaft zu bleiben und sich nicht im Rahmen einer Heißhungerattacke über die nächste Schoko herzumachen. Vor allem all jene die im Rahmen einer Kalorienreduktion auf Low-Fat Produkte zurückgreifen, werden das hier nachvollziehen können. Fett hält schließlich satt und das nicht nur für 5 Minuten. Übrigens. Unser Gehirn verbrauch rund 25 Prozent unserer täglichen Kalorienzufuhr. Kein Wunder also, dass man sich im Rahmen einer Crash Diät total erschöpft und unmotiviert fühlt. Ganz nebenbei bemerkt, besteht unser Gehirn aus einer gehörigen Menge Fett. Fett also aus der Ernährung zu streichen oder aufs Minimalste zu reduzieren, ist eher kontraproduktiv – außer man möchte sich gerne in einen Zombie verwandeln.

Unser Kalorienverbrauch und -bedarf sind auch davon abhängig ob wir uns in einem warmen oder kalten Klima befinden, uns bewegen oder bettlägerig sind, Sport betreiben oder eben nicht, schnell oder langsam atmen und genügend Schlaf bekommen oder unter einem Schlafmangel leiden. Auch unsere Darmbakterien beeinflussen übrigens unsere Kalorienaufnahme. Da gibt es ein paar Darmbakterien – Firmicutes Phylum – die in großen Mengen offenbar dazu beitragen, dass wir mehr Fett anlegen als wir eigentlich wollen. Man weiß das, weil von haus aus dünne Menschen weniger dieser Bakterien in ihrem Darm haben und dafür mehr sogenannte Bacteroidetes phylum beheimaten. Die kann man übrigens durch eine bunte Ernährungsweise mit viel Polyphenolen zuführen.

Vor allem in der Zusammenarbeit mit Klienten sehe ich, dass oft viel zu wenig gegessen wird und das dieses Vorgehen zahlreiche Beschwerden mit sich bringt. Viele Menschen erwarten sich von einem Ernährungstrainer auch einen Plan der ihnen dabei hilft Kalorien zu zählen. Nope. Sowas gibts bei mir nicht. Kalorien sind – wie man sieht – einfach nicht alles und das Thema ist nicht schwarz oder weiß. Ganz im Gegenteil. Versteht mich nicht falsch, jemand der stark übergewichtig ist, profitiert selbstverständlich von einer zeitweisen Kalorienreduktion. Der Fokus sollte dabei allerdings immer noch auf einer nachhaltigen Ernährungsumstellung mit vielen wertvollen Lebensmitteln liegen. Nur so bleiben die Kilos auch dauerhaft unten. Auch ein Sportler der sich auf einen Wettkampf vorbereitet kann von dem „Calories in, Calories out“ Prinzip profitieren. Der Standardbürger sollte sich meiner Ansicht nach aber nicht verrückt machen. So viel mehr steckt hinter einer gesunden Ernährungsweise als nur Kalorien. In erster Linie sollte es bei jeder Form der „Diät“ oder Ernährungsumstellung um Gesundheit gehen und nicht um den schnellen Gewichtsverlust. Der kommt bei einer nachhaltigen Ernährungsumstellung mit guten Basics ganz von alleine.

Bildquelle: pexels

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