Mythos Cholesterin und warum Eier keine Gefahr darstellen

Nach Ostern kugeln bestimmt noch ein paar Eier im Kühlschrank rum, oder? Angst zuzugreifen? Die ist unnötig. Die Sache mit dem Cholesterin ist wie ich finde nämlich einer dieser klassischen und völlig veralteten Mythen der Ernährungsbranche. Und dazu will ich euch heute mehr erzählen.

Herzbeschwerden? Hohe Cholesterin Werte sollen dafür verantwortlich sein. Seit einer Ewigkeit predigen Ärzte ihren Patienten sie müssen ihre Werte senken, sich besser ernähren, mehr bewegen und bestimmte Medikamente einnehmen um ihre Herzgesundheit zu unterstützen. Eier, rotes Fleisch und im Grunde alle gesättigten Fettsäuren wurden und werden in diesem Zusammenhang verteufelt. Schließlich sollen diese zu erhöhten Cholesterin Werten und vor allem zu einem hohen LDL Wert führen. Und den will man vermeiden.

Aktuelle Studien allerdings widersprechen dieser jahrelang verbreiteten Theorie und ich bin ein Fan aktueller Erkenntnisse. Gleich vorweg will ich aber sagen, dass man sich mit dem Heranziehen aktueller Studien und dem Hinterfragen alteingesessener Empfehlungen meist ziemlich unbeliebt macht. Persönlich denke ich aber, es schadet nicht, sich zu informieren und sich ein Bild der gesamten Sachlage zu machen bevor man blind vertraut. Anbei nun also meine Recherchen zum Thema – welche ganz klar keinen Arztbesuch ersetzen.

Die Fakten

Cholesterin ist ein Molekül, dass sich in jeder Zelle unseres Körpers wiederfindet. Es ist entgegen der Annahmen kein Fett, sondern vielmehr ein Sterol. Und das wiederum ist eine Kombi aus Alkohol und Steroid. Es hilft dabei Zellwände aufzubauen, unterstützt unseren Hormonhaushalt indem es die Produktion von Progesteron sowie Vitaminen wie Vitamin D fördert.

In erster Linie wird Cholesterin in unserer Leber gebildet. Nur 30% des Cholesterins in uns wird durch die Ernährung zugeführt. Konsumieren wir mehr Cholesterinhaltige Nahrungsmittel, ist unser Körper so schlau und produziert einfach weniger. Fügen wir zu wenig hinzu, produziert er mehr oder versucht es zumindest. Coole Sache wie ich finde.

Nachdem unser Blut vor allem aus Wasser besteht und Cholesterin fettlöslich ist, benötigt es ein Protein um in unserem Körper herum transportiert zu werden. Und dafür gibt es zwei verschiedene Lipoproteine die sich dieser Aufgabe gewachsen fühlen: HDL (high density lipoprotein) und LDL (low densitiy lipoprotein). HDL kennt man als das gute Cholesterin. LDL zieht hingegen immer den Kürzeren. Warum das so ist? Naja, HDL transportiert Cholesterin von unserem Körper zurück in die Leber, von wo aus es sich schließlich aus dem Körper verabschieden kann. Kurzum: Ist zu viel Cholesterin im Körper, kümmert sich HDL darum und schaut, dass es ausgeschieden wird. LDL hingegen transportiert Cholesterin von der Leber in die einzelnen Körperzellen. Grundsätzlich ist das ja nicht schlecht. Bedenkt man, dass es wichtiger Bestandteil der Vitamin und Hormonproduktion ist. Persönlich meine ich es geht auch hier um die Balance und nicht darum zwei im Körper natürlich vorkommende Stoffe als gut oder schlecht zu bezeichnen.

HDL vs. LDL

Nun zeigen Forschungsergebnisse, dass unsere Denkweise zu Cholesterin nicht unbedingt akkurat ist. Man kann sich das Ganze so vorstellen: HDL und LDL sind wie kleine Rennautos die Cholesterin Passagiere im Körper rumtransportieren (hin zur Leber, weg von der Leber). Bisher war man der Annahme, dass es die Anzahl der Passagiere (Cholesterin das von LDL transportiert wird) ist, die zu Herzerkrankungen führt. Allerdings zeigen Studien nun, dass es wohl eher die LDL Rennwägen sind die das Problem darstellen. Sprich, die Menge der LDL Partikel im Blut. Und wenn man sich das Ganze wie auf den Straßen vorstellt ist es irgendwie auch logisch. Unfälle passieren nicht notwendigerweise weil zu viel Leute im Auto sitzen, sondern weil die Autos auf den Straßen zu viel werden. Sind da also zu viel LDL Autos auf den Straßen oder in unseren Arterien, können die schon mal gegen die Arterienwand krachen und dort Schaden anrichten.

Was wird gemessen und was braucht mehr Aufmerksamkeit?

Beim Arzt werden meist die gesamten Cholesterinwerte gemessen. Die haben aber nur wenig Aussagekraft und erhöhte Werte bedeuten nicht notwendigerweise ein Gesundheitsrisiko. Und immer wieder wird darüber diskutiert, was denn nun optimale Werte seien. Zu wenig scheint nicht gut, zu viel scheint nicht gut, keiner scheint sich sicher zu sein. Es werden aber auch die HDL und LDL Level getestet. Und wie gesagt, dabei handelt es sich um die Transportproteine, welche Cholesterin transportieren. Nun muss man aber wissen, dass man HDL und LDL auch noch weiter unterscheiden kann.

Und diese Unterscheidung in kleine Partikel wird kaum gemacht. So gibt es beispielsweise noch das ganz kleine LDL (small dense LDL) und das soll wirklich ein Risikofaktor für Arteriosklerose und Herzerkrankungen sein. Ein guter Anhaltspunkt hierfür sind beispielsweise auch die Triglycerid Werte. Meist treten höhere smLDL Werte nämlich auch bei erhöhten Triglyceridwerten auf. Senken sich letztere, verbessert sich auch oft das Lipid-Profil. Triglyceride sind nämlich unabhängig von den bereits erwähnten Werten in Massen ganz und gar nicht gut. Sie sind im Grunde für unser Körperfett verantwortlich und hohe Werte stellen ein hohes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen dar. Zumal sie eben auch oft mit der Veränderung des Lipid Profils einhergehen.

Um genaueres sagen zu können, wäre es also sicherlich gut auch die verschiedenen Arten von LDL, sprich die kleinen Partikel, zu testen und ein gesamtes Profil zu erstellen. Sonst kann es schon mal passieren, dass die LDL Werte hoch sind, die Partikel aber niedrig. Hier scheint das Risiko für Herzerkrankungen also nicht derart groß zu sein wie bisher angenommen. Cholesterinsenkende Medikamente an dieser Stelle können also eher kontraproduktiv sein. Zumal Medikamente auch immer mit Nebenwirkungen kommen. Und zu wenig Cholesterin ist nunmal auch nicht gut. Nicht zuletzt weil unser Gehirn davon abhängig ist.

Gehirngesundheit 

Die Schicht um unsere Neuronen nennt sich Myelin. Damit diese Schicht immer nachgebildet wird, sind Hormone wichtig die Signale ausstoßen um mehr dieser Fettschicht um unsere Neuronen zu bilden. Nachdem Myelin aus Fett besteht ist es wichtig genügend gute Fette zuzufügen: Gesättigte Fettsäuren, Cholesterin, Omega 3, Omega 6. Cholesterin ist besonders wertvoll für unsere kognitive Funktion. Ganze 25 % unseres gesamten Cholesterin Gehalts befinden sich schließlich im Gehirn. Ein Mangel an Cholesterin wird also mit einer eingeschränkten kognitiven Funktion und vor allem Alzheimer in Verbindung gebracht.

Naja, und dreht man das Ganze um, kann es ebenso sein, dass jemand mit einem niedrigen LDL Cholesterin Wert hohe Partikel Werte hat, die übersehen werden. Und genau eine solche Person ist von einem höheren Risiko für Herzerkrankungen betroffen. Meist sind das auch Menschen die von Diabetes, Insulin Resistenz, hohen Triglycerid Werten und wenig HDL Cholesterin betroffen sind.

Warum?

Es geht im Grunde also um viel mehr als nur um ein paar simple Standard-Werte. Ein etwas tiefer gehender Blick, kann weitaus mehr aussagen und ist sicherlich bei Risikofällen besonders förderlich. Man kann allerdings über Tests und Werte sprechen bis man grau wird. Die Frage die sich mir stellt ist: Was steckt eigentlich hinter der Verschiebung unserer Werte?

Und da komm ich wieder auf die Triglyceride. Sind zu viele davon da, können unsere LDL Rennautos nicht mehr genügend Cholesterin Passagiere transportieren und mehr LDL Autos werden benötigt. Ergo, viele Tryglyceride = viele LDL Autos. Woher kommen so viele Tryglyceride nun? Von einer Ernährungsweise die

  • Viel Zucker beinhaltet,
  • Simple Kohlenhydrate bevorzugt,
  • Industriell verarbeitete Nahrung der natürlichen und echten Nahrung vorzieht,
  • Alkohol involviert,
  • Zu wenig Bewegung beinhaltet;

Übrigens können hohe LDL Partikelwerte neben hohen Triglyceriden auch mit einer Insulin Resistenz, Schilddrüsenbeschwerden, Herpes, Leaky Gut und unseren Genen verbunden sein. Spannend oder? Es lohnt sich also auch selber mal zum Gesundheitsdetektiv zu werden, sich die Zeit zu nehmen zu hinterfragen und Eigenverantwortung für die eigene Gesundheit zu zeigen – vor allem wenn man selbst betroffen ist.

Was tun?

Naja, im Grunde ist es zweitranging welche Werte nun herangezogen werden. Was zählt ist, was man selbst tun kann. Und da bietet sich eine natürliche Ernährungsweise die auf echten Lebensmitteln basiert optimal an.

  • Bewegung hat definitiv das Potential LDL Partikel Werte und das Risiko an Herz-Kreislauf Problemen zu erkranken zu verbessern.
  • Ein stabiler Blutzuckerspiegel kann ebenso hilfreich sein. Beschwerden wie Insulin Resistenz, hormonelle Dysbalancen und noch so viel mehr können dadurch verbessert werden.
  • Rauchen ist ein absolutes No-Go wenn es um unsere Arterien oder unser Herz geht.
  • Triglyceride dürfen ruhig bewusst reduziert werden. Und dazu dient eine Zuckerreduktion und Elimination von simplen Kohlenhydraten. Vor allem aber kann Fruchtzucker unsere Triglycerid Werte besonders negativ beeinflussen.
  • Und dann waren da noch die verteufelten Fette. Omega 3 Fettsäuren können besonders wertvoll sein um Tryglcerid Werte zu senken und das „gute“ HDL zu fördern. Viele Omega 6 Fettsäuren durch beispielsweise Gemüseöle (Sonnenblumenöl, Rapsöl etc.) in Restaurantküchen oder Industrieware bewirken genau das Gegenteil.
  • Kokosöl ist ein gesättigtes Fett und entgegen der großen Panikmache im Hinblick auf diese Fette, hat es offenbar das Potential schlechtes Cholesterin zu senken und das Gute zu fördern.
  • Und wenn es um tierische Produkte geht – der vermeintliche Super-Gau im Bereich Herzgesundheit – da bin ich ein Fan von Qualität und nicht von Quanität. Seien es Fleisch, Eier, Butter, Milchprodukte – für mich liefern sie alle wertvolle Nährstoffe und gehören zu einer ursprünglichen Ernährung dazu. Zucker und simple Kohlenhydrate wie sie in Pasta und Semmeln vorkommen ganz und gar nicht. Da setzt für mich einfach der Hausverstand ein. Und übrigens, nicht jeder unter uns reagiert gleich auf gesättigte Fettsäuren. 70% von uns reagieren keineswegs negativ auf besagte cholesterinliefernde Nahrungsmittel. Nur 30% von uns reagieren darauf. Das heißt noch nicht viel. Sie sollten beim Konsum einfach etwas besser auf Qualität und Menge achten.

Mein Fazit? Eier stellen kein Problem dar. Sie stecken voller Nährstoffe, wertvoller Fette und Proteine sowie alle Aminosäuren die wir brauchen. Sie enthalten alle Vitamine und Mineralstoffe die der Körper benötigt. Die Nährstoffe stecken vor allem im Dotter. Das Eiweiß besteht hauptsächlich aus Protein. Ergo, Eiweiß-Omelett ist für mich die größte Verschwendung des Jahrhunderts. Eier liefern Cholesterin, ja! Aber unser Körper weiß damit umzugehen. Er produziert einfach weniger wenn wir mehr davon konsumieren. Eier sollen außerdem unser gutes Cholesterin HDL fördern können. Sie sind definitiv NICHT das Problem. 3 pro Tag sollen einer Studie zufolge sogar Insulin Resistenz reduzieren können und das Lipoprotein Profil verbessern können. Außerdem liefern sie Cholin. Und das ist ein wertvoller Nährstoff für unser Gehirn. Was will man mehr? Achja, Qualität ist wichtig. Bio-Eier liefern eindeutig mehr Omega 3 Fettsäuren und sollte daher bevorzugt werden.

Quellen u.a.: 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23941088 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27292972

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18591462

https://www.researchgate.net/publication/314118825_Is_sdLDL_a_valuable_screening_tool_for_cardiovascular_disease_in_patients_with_metabolic_syndrome

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22989852

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15911792?dopt=AbstractPlus

http://wholehealthsource.blogspot.co.at/2011/01/does-dietary-saturated-fat-increase.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16340654

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19369056

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23021013

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1 Kommentar

  • Reply
    Eva
    12. April 2018 at 14:28

    test

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