Süchtig? Was genau hinter unserem Heißhunger auf Süßes steckt.

Sprechen wir heute von Sucht, dann denken wir direkt an Alkoholiker oder Drogensüchtige. Selten denken wir dabei an Zucker. Dieser hat nämlich auch das Potential süchtig zu machen. Heute möchte ich euch ein paar Hintergründe zum Thema „Sucht“ liefern. Vor allem wenn es um Süßes geht, gibt es mehrere Aspekte die hier eine Rolle spielen können. Vielleicht erkennt ihr euch ja ein dem ein oder andern Punkt wieder.

Zucker macht süchtig – FAKT

Ich habe gerade erst eine Diplomarbeit zum Thema „Zucker“ verfasst und dabei auch das Suchtpotential des weißen Zeugs unter die Lupe genommen. Stellt sich raus, wenn Ratten vor die Wahl gestellt werden zwischen mit Saccharin (synthetischer Süßstoff) gesüßtem Wasser oder einer Dosis der süchtig machenden Droge Kokain zu wählen, fällt ihre Wahl in 94% der Fälle auf den süßen Geschmack von Saccharin. Die Vorliebe für Saccharin liegt nicht etwa daran, dass dieser intensive Süßstoff keine Kalorien liefert. Selbige Studie wurde nämlich ebenso mit der natürlich vorkommenden Saccharose (Haushaltszucker) durchgeführt und selbst unter dem Einfluss von Kokain sowie auf Entzug der Droge fiel die Wahl der Ratten immer noch auf den süßen Geschmack von Zucker. Heftig oder? Die Ergebnisse dieser Studie lassen die Schlussfolgerung zu, dass intensive Süße selbst das Verlangen nach Drogen außer Kraft setzen kann. Das süchtig machende Potential von extremer Süße stammt demnach von der angeborenen Sensibilität der meisten Säugetiere für den süßen Geschmack. Das ist zurückzuführen auf die urzeitliche Entwicklung unserer Rezeptoren für den süßen Geschmack, welche meist von einem damals herrschenden Mangel an Zucker geprägt waren. Man denke nur mal drüber nach: Wir waren Jäger und Sammler. Gelegentlich haben wir mal ein paar Beeren oder einen Bienenstock entdeckt den wir plündern konnten. Fanden wir uns in einer solchen Situation wieder, haben wir genascht was das Zeug hält. Schließlich waren wir uns damals schon bewusst, dass Süße mit Energie gleichzusetzen ist. Zucker und vor allem der darin enthaltene Fruchtzucker liefern rasch Energie und sorgen effektiv für Fetteinlagerung. Damals war eine solche Fettreserve wertvoll. Nicht immer war ausreichend Nahrung da und es kam schon mal vor, dass wir längere Zeit ohne auskommen mussten und auf so ein paar Pölsterchen angewiesen waren. Grundsätzlich sind wir Menschen aber nicht an große Mengen von Süßem gewöhnt. Die abnormale Stimulation durch Lebensmittel mit hoch konzentrierten Zuckermengen – wie heutzutage üblich – hat ein Belohnungssignal in unserem Gehirn zur Folge, welches das Potential hat die Selbstkontrolle außer Kraft zu setzen und somit zu Sucht zu führen. Die Aufnahme von Fruchtzucker im Vergleich zu Glukose regt außerdem weitaus mehr Gehirnregionen an, welche in Zusammenhang mit Belohnung stehen. Probanden einer Studie waren dank Fructose nicht nur hungriger und hatten mehr Lust auf Essen sondern zeigten ebenso eine größere Bereitschaft für Lebensmittel Gegenleistungen zu erbringen. Eine Studie der Emory Universität untersuchte dann auch noch den negativen Effekt einer fruchtzuckerreichen Ernährung bei Jugendlichen welcher sich in verstärkter Depression sowie mangelndem Stressmanagement zeigte.

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Nährstoffmangel

Während Stoffe in unserer Nahrung – wie eben Zucker und vor allem Fructose – erwiesenermaßen süchtig machen, spielen oftmals noch andere Faktoren eine Rolle die es uns erschweren die Finger von diversen Lebensmitteln zu lassen.

Nährstoffmängel können beispielsweise hinter den unterschiedlichsten Gelüsten stecken. Vor allem ein Magnesiummangel kann dafür verantwortlich sein, dass Süßigkeiten und im speziellen Schokolade einfach nicht aus unserem Leben zu streichen sind. Magnesium findet sich im Übrigen in Spinat, Nüssen, rohem Kakao, braunem Reis und Samen sowie Hülsenfrüchten. Chrom und auch Vanadium sind außerdem zwei Spurenelemente die dafür verantwortlich sind unseren Blutzuckerspiegel stabil zu halten und die Funktion des Hormons Insulin verstärken. Fleisch, Spargel und Käse liefern Chrom während Pilze, Dill, Getreide, Petersilie und Meerestiere für ausreichend Vanadium sorgen. Leiden wir unter einem Mangel dieser Nährstoffe, ist ein Heißhunger auf Zucker oft die Folge.

Ein Nährstoffmangel ist heutzutage nicht ungewöhnlich. Unsere Ernährungsweise basiert zu einem großen Teil auf leeren Kohlenhydraten, Süßigkeiten und Co. Diese enthalten aufgrund diverser industrieller Verfahren kaum noch wertvolle Nährstoffe. Außerdem ist die Erde in welcher unser Obst und Gemüse heranwächst nicht mehr das was sie einmal war. Hier hab ich schon einmal darüber geschrieben warum BIO tatsächlich besser ist.

Noch mehr Infos zu Heißhunger Gelüsten und ihren Hintergründen gäbe es hier.

Instabiler Blutzuckerspiegel

Immer wieder betone ich wie wichtig es ist einen stabilen Blutzuckerspiegel anzustreben. Essen wir regelmäßig und versorgen unseren Körper mit wertvollen Energiequellen können wir dieses Ziel ganz gut erreichen. Dabei helfen vor allem komplexe Kohlenhydrate wie Buchweizen, Quinoa, Vollkorn, Süßkartoffeln oder Dinkel. Auch gute Fett– sowie Proteinquellen sind essentiell und halten uns darüber hinaus auch noch lange satt. Konsumieren wir aber – wie heute üblich – vorwiegend leere Kohlenhydrate wie Pasta, 0/8/15 Müslis, Süßigkeiten und trinken auch noch Obstsäfte dazu, dann ist es schon fast vorprogrammiert, dass unser Blutzucker Achterbahn fährt. Nach dem Konsum von sogenannten leeren Energiequellen steigt unser Zuckerspiegel rasch an, wir fühlen uns kurz super und schon nach kurzer Zeit sinkt besagter Spiegel aber in den Keller. Wir werden müde und genau hier setzen Heißhunger Attacken ein. Greifen wir dann wieder zu besagten leeren Quellen begeben wir uns erneut auf Achterbahnfahrt und in einen ziemlichen Teufelskreis. Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßiger Nahrungszufuhr ist also echt das Um und Auf. Übrigens auch wenn es um die weibliche Hormon-Balance geht. Verlangen nach Süßem ist ein Zeichen dafür, dass unsere Hormone nicht ganz so in Balance sind wie sie es sein sollten. Ein Grund ist mitunter ein instabiler Blutzucker. Ebenso ein Faktor kann sein, dass unser Fokus im Bereich der Ernährung zu sehr auf tierischen Produkten und salzigen Lebensmitteln liegt. Vor allem vor unserer Periode kommt es daher oft zu Heißhunger auf Süßes. Ausgewogene Mahlzeiten mit viel frischem Gemüse it is.

Darmgesundheit

Wer hätte gedacht, dass unsere Darmgesundheit oder der Mangel einer eben solchen uns in die Arme von Süßigkeiten treiben kann?

Darmpilze wie Candida Albicans lieben Zucker und feiern eine kleine Party in unserem Darm wenn wieder eine neue Ladung ankommt. Konsumieren wir viel Zucker – ebenso wie heute üblich – dann vermehren sich diese Bakterien und verdrängen die nützlichen guten Bakterien in unserem Darm. Eine sogenannte Dysbalance ist die Folge. Hinzukommt, dass diese Bakterien ziemlich schlau sind und uns dazu bringen noch mehr Zucker zu konsumieren um an weiteres Futter zu gelangen. Faszinierend wenn mans ganz genau nimmt. Darmgesundheit und Darmheilung ist – wenn man mich fragt – so oder so einer der wichtigsten Schritte wenn es um die Gesundheit geht. Hier auf Individualisten hab ich schon mehrfach darüber geschrieben und reichlich Tipps geliefert.

Emotionen

Naja, auch unsere Emotionen sollte man im Hinblick auf unsere Nahrungsmittelwahl nicht unterschätzen. Oftmals können wir selbst gar nichts dafür wenn wir einfach nicht die Finger von Süßkram und Co lassen können. Selbstzweifel bringen sich also rein gar nichts. Viele von uns können einfach nicht anders. Warum? Wir alle haben Teile in uns die für diverse Entscheidungen und Handlungen in unserem Leben verantwortlich sein können. Sind wir uns dieser inneren Teile bewusst, lassen sie sich auch viel leichter identifizieren und wir können das Problem bei der Wurzel packen. Ich beschäftige mich viel mit diesem Thema und gerade letztens habe ich in einer Fortbildung ein gutes Beispiel hierfür erlebt: Frau X möchte ihre Sucht nach Süßigkeiten in den Griff bekommen. Ihr Problem: Sobald etwas daheim ist, muss es gegessen werden. Nach ein paar Gesprächen, stellt sich raus, dass Frau X in ihrer Kindheit die Süßigkeiten die es ab und an gegeben hat, stets aufbewahrt hat und nie sofort gegessen hat. Eigentlich genau das Gegenteil von heute. Süßigkeiten waren damals eben eine Besonderheit für sie. Allerdings hat ihr ihre Schwester immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie hat ihr die Süßigkeiten immer geklaut und selbst verspeist. Die Schlussfolgerung die das sogenannte „innere Kind“ in Frau X nun heute in ihrem Unterbewusstsein daraus zieht: schnell alles aufessen bevor es wieder weg ist. Logisch irgendwie wenn man sich mal darüber Gedanken macht, oder? Wir alle haben ein inneres Kind in uns das Dinge erlebt hat und vielleicht auch nicht verarbeitet hat. Und genau diese Dinge können unsere Handlungen beeinflussen. Gehen wir ihnen auf den Grund, können wir aber damit umgehen lernen und sie aufarbeiten. Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit Glaubensüberzeugungen die uns in unterschiedlichen Lebenslagen ganz unbewusst Steine in den Weg legen können: „Ich bin nicht schön genug, gut genug, erfolgreich genug …“ können uns selbst in Beruf und Beziehung beeinflussen. „Was am Tisch steht wird gegessen“ kann dazu führen, dass wir unser Gespür für Sättigung und Hunger verlieren weil wir meinen immer alles aufessen zu müssen. Ich finde das ja alles ziemlich spannend und hab deshalb auch eine Ausbildung in diesem Bereich des Coachings gemacht. Selbst hab ich damit schon unglaublich viele tolle Erfahrungen gemacht und denke, dass ein jeder von uns davon profitieren könnte wenn er/sie sich mehr mit sich selbst auseinandersetzen würde.

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Muss ich denn tatsächlich kompletto tutto auf Zucker verzichten?

Ganz ehrlich. Nein. Die Dosis macht das Gift. Allerdings denke ich, dass ein bewusster Umgang mit Zucker wichtig ist. Im Grunde ähnlich wie das auch im Umgang mit Alkohol der Fall ist. Ziel ist nicht unbedingt die Elimination. Was allerdings schon unser aller Ziel sein sollte ist die Kontrolle darüber zu haben. Können wir nicht ohne oder werden wir in Gegenwart diverser Lebensmittel sofort schwach – dann ist das ein ziemlich sicheres Anzeichen dafür, dass wir eben diese Kontrolle verloren haben und dem Problem auf den Grund gehen müssen. Überlebt eine Schokolade oder Flasche Wein in unserem Haushalt allerdings ein Weilchen ohne uns nervös zu machen – dann haben wir die Kontrolle über den Umgang mit diesen Lebensmitteln. #easypeasy Ausgewogen zu essen ist dennoch wichtig. Was auch klar war. 🙂

 

 

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7 Kommentare

  • Reply
    daniela
    15. Juli 2016 at 20:30

    Danke für den tollen Beitrag, sehr gut und umfassend beschrieben :-). Ich schätze diesen Blog sehr.
    Zum Thema Mineralstoffmangel gibt es noch eine weitere Komponente. Mineralien sind mit Glukosemolekülen als Transportmittel verknüpft. Fehlen dem Körper Mineralstoffe (Zink, Magnesium, Selen etc.), signalisiert er nicht direkt den Wunsch nach diesen sondern eben nach dem süßen Carrier. Tricky… ;-). Es lohnt sich also immer, bei anhaltenden Süßattacken auch mal den Mineralhaushalt im Blut zu testen.

    Daniela

    • Reply
      Eva
      21. Juli 2016 at 16:33

      Danke Daniela! Das freut mich sehr. 🙂 Spannende Info. Vielen lieben Dank. Der Körper ist echt ein raffiniertes Etwas. 😉 Liebe Grüße, Eva

  • Reply
    Ab heute keinen Zucker mehr! 7 Tipps zum starten - Angels are always welcome
    20. August 2016 at 5:03

    […] Eva hat zu diesem Thema einen passenden Blog geschrieben. Süchtig – was genau hinter unserem Heißhunger auf Süßes steckt […]

  • Reply
    Vici
    31. August 2016 at 13:37

    hi, welche Kamera verwendest du? 🙂 Finde deine Fotos total schön, besonders die Porträts von dir!
    Generell, super Blog/Projekt, weiter so!!

    lg
    Vici

    • Reply
      Eva
      1. September 2016 at 23:47

      Hallo Vici! Danke dir. Das freut mich aber. 🙂 Ich verwende eine Canon 500D – ein etwas älteres Modell. Tut aber noch was es soll. Lieben Gruß, Eva

  • Reply
    Franziska
    28. Februar 2017 at 20:00

    ein super Artikel danke dafür!! LG Franziska

    • Reply
      Eva
      28. Februar 2017 at 23:25

      Danke liebe Franziska! Das freut mich. GlG, Eva

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