Wie nachhaltig ist unser Zuckerkonsum?

Klar ist, Zucker ist ungesund und wir konsumieren viel zu viel davon. An dieser Tatsache führt kein Weg mehr vorbei. Und dennoch gibt es Menschen die uns immer noch erklären wollen, dass Zucker harmlos ist. Oft gehören besagte Personen irgendeiner Soft Drink Lobby an oder haben sonstige Verbandelungen mit von unserem Zuckerkonsum profitierenden Konglomeraten. Sehr glaubhaft wie ich finde. Eine Frage die sich aber im Fall Zucker kaum jemand stellt ist, wie nachhaltig das Zeug denn eigentlich ist. Ich hab vor einiger Zeit schon mal in meinem Newsletter über das Thema berichtet und von meinen Insidern ein recht gutes Feedback dazu bekommen. Ergo, wollte ich dieses wichtige Thema auch mal direkt am Blog ansprechen. Aber erst mal ein ein paar Infos rund um das mittlerweile immer öfter verwendete Wort “Nachhaltigkeit”.

Nachhaltige Entwicklung = Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Brundtland Bericht

Und dann noch ein paar Fakten zu unserer aktuellen Situation und unsren Zukunftsaussichten.

  • 1 von 9 Menschen weltweit ist heute unterernährt. Die meisten Menschen die davon betroffen sind, leben in Entwicklungsländern, während Menschen in entwickelten Ländern (wir) jede Menge Lebensmittel wegschmeißen und zum Teil von einer Epidemie an übergewichtigen Neugeborenen die Rede ist.
  • 1,4 Billionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu Elektrizität und das ist wichtig um beispielsweise Lebensmittelversorgung sicher zu stellen. Aktuell bräuchten wir 3 Erden um alle Menschen gleichermaßen versorgen zu können wie unsereins.
  • In 2030 werden 60% der Menschen weltweit in Städten wohnen. Klingt nicht so tragisch. Was wir aber nicht wissen ist, dass man vor allem an Asien sehen kann, dass Menschen die von ruralen Gegenden in urbane Gegenden umziehen, weitaus schneller Volkskrankheiten wie Diabetes entwickeln. Außerdem machen die Städte der Welt gerade mal 3% unserer Landfläche aus. Dafür sind sie aber für 60% des Energieverbrauchs und 75% aller CO2 Emissionen verantwortlich.

Das sind Themen der nachhaltigen Entwicklung. Und das sind nette Aussichten für unsere Zukunft. Der Definition von nachhaltiger Entwicklung entspricht unser aktueller weltweiter Lebensstil definitiv nicht. Die UN hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht hier gegenzusteuern. Es gibt 17 wertvolle Ziele der UN (sustainable development goals to transform our world), die in den nächsten Jahren gemeinsam mit Wirtschaft, Politik, Privatsektor und uns abgearbeitet werden sollen. Darunter bspw. das Ende der Armut, Gleichberechtigung, Klimaschutz etc. Und klassische Empfehlungen für uns Normales sind u.a.:

  • Kauf weniger Dinge die in Plastik verpackt sind.
  • Schalte das Licht aus, wenn du es nicht benötigst.
  • Dusche nicht zu lange.
  • Unterstütze lokale Unternehmen.
  • Kauf auch Gemüse das keine perfekte Form hat.
  • Nimm deinen eigenen Einkaufsbeutel mit.
  • Nimm das Fahrrad.

Auf Un.org findet man noch mehr Tipps und Infos hierzu.

Viele von uns befolgen auch schon den ein oder anderen dieser Tipps. Dennoch wirken diese Empfehlungen irgendwie wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vor allem wenn man sich die angesprochenen Probleme vor Augen hält. Bedenkt man aber, dass viele Probleme dieser Welt von unserem übermäßigen Konsum ausgehen und wir es sind die den Markt (mit)bestimmen, sieht das Ganze schon anders aus und zeigt, dass wir durchaus eine riesengroße Verantwortung haben. Während ich der Ansicht bin, dass Perfektion absolut unnötig, wenn nicht sogar unmöglich ist, denke ich doch, dass unser Bewusstsein für Nachhaltigkeit geschärft werden muss. Diese Ziele tragen sicherlich dazu bei und sind ein Anfang und ein Schritt in die richtige Richtung. Persönlich finde ich, hört das Thema Nachhaltigkeit hier aber noch nicht auf und wir sollten durchaus auch über die Standardempfehlungen hinausdenken.

Perfektion?

Betreibt man einen Blog wie diesen hier und versucht dadurch nicht nur mehr Bewusstsein für Gesundheit, Ernährung und Wohlbefinden, sondern ebenso einen Sinn für Nachhaltigkeit, zu vermitteln, ist man auch ganz gern Ansprechpartner für all jene die finden, man macht es noch nicht perfekt genug. Aber auch in solchen Momenten kann ich mich nur wiederholen. Perfektion ist nicht mein Ziel. Ganz im Gegenteil. Ich denke unser Streben nach Perfektion lässt uns sogar irgendwann das Handtuch werfen. Entwickeln wir aber nach und nach einen Sinn für mehr Bewusstsein im Interesse unserer Gesundheit und/oder der Umwelt und für künftige Generationen, dann festigt sich dieses Wissen und spiegelt sich früher oder später auch in unseren Taten wieder. Es ist ähnlich wie mit Zucker. Weiß man einmal was Zucker mit einem macht, ist der Griff zur Schoko schon nicht mehr ganz so easy peasy.

Sprechen wir im Bereich der Lebensmittel über Nachhaltigkeit, kommen in letzter Zeit meist Avocado’s zum Handkuss. Die Transportwege sind lang, die Arbeitsbedingungen in Ursprungsländern wie Mexiko lassen zu wünschen übrig, der Anbau verbraucht viel Wasser und, und, und. All das ist richtig – vor allem wenn man auch noch unbiologisch einkauft. Aber so gut wie jedes Lebensmittel hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck. Sprechen wir von der Avocado, müssen wir uns auch über die in den letzten Jahren angestiegene Nachfrage nach Quinoa oder Mandeln Gedanken machen, deren Produktion ähnlich umnachhaltig ist. Von Fleisch und Milch aus Massenproduktion will ich gar nicht erst anfangen. Nicht nur ein Lebensmittel zu verteufeln, sondern das Gesamtpaket inklusive aller Aspekte der Nachhaltigkeit zu erforschen, fördert meiner Ansicht nach besagtes Bewusstsein. Nur mit mehr Bewusstsein und Wissen rund um das Thema, greife ich lieber mal zu heimischen Produkten, lass das Plastiksackerl liegen und nimm einen eigenen Jute Beutel, erkunde den regionalen Bauernmarkt, sag “Nein” zu Plastik, sehe eine Avocado als etwas Besonderes für ab und an mal an, achte beim Kauf von Fleisch auf Qualität und anständige Haltung und schränke mich im Konsum tierischer Produkte vielleicht sogar etwas ein. Zusätzlich schalte ich dann auch noch das Licht aus wenn ich es nicht brauche und geh ab und an mal zur Fuß, anstatt mit dem Auto von Hinz nach Kunz zu fahren. Irgendwie – so meine ich – wird das Ganze, ähnlich wie mit einer gesunden Ernährung und mehr Bewegung, zu einem Lebensstil oder einer Lebenseinstellung. Macht Sinn, oder?

Um nun zum eigentlichen – und oft vernachlässigten – Thema zu kommen. Spannend finde, dass meist die gleichen Lebensmittel (wie die Avocado) kritisiert werden, sich aber so gut wie kein Mensch darüber Gedanken macht wie nachhaltig das weltweite Lieblingsfood NUMMERO 1 ist. Ich hab beispielsweise noch nie folgende Schlagzeile gelesen: “Zucker gehört zu den unnachhaltigsten Lebensmitteln überhaupt.” oder “Die verheerenden Folgen unseres Zuckerkonsums”.

Wie nachhaltig ist unser Zuckerkonsum?

Die Sache ist die: Der Durchschnittsbürger konsumiert um die 100g Zucker pro Tag. 24g Zucker empfiehlt die WHO als Maximum. Alles darüber trägt lt. WHO zu den klassischen Volkskrankheiten bei, die mittlerweile eine Epidemie darstellen: Diabetes, Übergewicht, Adipositas, Herz-Kreislauf Erkrankungen etc. Das ist nur eine Seite der Medaille.

In 120 Ländern der Welt werden jährlich 145 Mio. Tonnen Zucker produziert. Pro Jahr steigt dieser Verbrauch um 2 Mio. Tonnen. Und das spricht für die immer noch steigende Nachfrage nach dem Zeug. 70% unseres Zuckers stammt vom Zuckerrohr und der Zuckerbete. 3 Mio. Tonnen Erde gehen pro Jahr in Europa durch den Anbau von Zuckerrüben drauf. In der Türkei sind es allein schon 1,7 Mio. Tonnen an Erde. 30% der Ernte ist Erde, dass muss erst separiert werden und dieser Prozess kostet der EU rund 40 Mio Pfund pro Jahr.

Mikroorganismen spielen eine richtig große Rolle für unser Ecosystem und die Biodiversität. Im Rahmen des Massenanbau gehen diese Aspekte verloren. Im Bereich des Zuckerrohr Anbaus beispielsweise werden Mikroorganismen mit Pestiziden bekämpft, denn diese wertvolle Balance in unserem Boden ist offenbar unerwünscht. Die Qualität und Fruchtbarkeit der Erde ist aufgrund des Anbaus von Zuckerrohr in Papua Neu Guinea beispielsweise zwischen 1979 und 1996 um 40% zurückgegangen. Nun werden Pestizide meist via Flugzeugen verteilt. Laut WHO gibt es pro Jahr dank dieser Praxis rund 25 Millionen akute Vergiftungen in Entwicklungsländern. Und obwohl man sich dieser Tatsache bewusst ist, steigen die weltweiten Verkäufe von Pestiziden laufend und belaufen sich mittlerweile auf rund 30 Billionen US Doller pro Jahr. In Südafrika und sogar Australien führen diese Giftstoffe  mit welchen die Erde behandelt wird dazu, dass die Wasserqualität enorm gesunken ist. Ein bekanntes Beispiel hierfür wäre das Great Barrier Reef in Australien. Und neben uns Menschen kommen auch andere Lebewesen dank Zucker zu Schaden. In 1995 hat die jährliche Reinigung von Zuckermühlen in Bolivien beispielsweise dazu geführt, dass Millionen an Fischen in den Flüssen, dank diverser Nebenprodukte der Zuckerproduktion wie Melasse, verendet bzw. erstickt sind. Schon mal von den Everglades in Florida gehört? Dort ist der Phosphorreiche Abfluss von Zuckerrohr verantwortlich für den Rückgang der Everglades. Und auch Dünger liefern in der Regel Stickstoff, Phosphor und Potassium in Form von Mineralstoffen. Probleme für die Umwelt entstehen hier, weil nicht all die Mineralstoffe der Dünger von Pflanzen aufgenommen werden können, sondern in den Boden übergehen, das Grundwasser davon betroffen ist, der Boden übersäuert und so weiter. Im Bereich von Zuckerrohr und Zuckerbeeten wird üblicherweise jede Menge Dünger verwendet. Mehr als notwendig wäre. In Österreich zeigten Studien beispielsweise, dass von den üblichen Mengen an verwendetem Dünger nur rund 50% des Stickstoffs aufgenommen werden, 20% in der Erde bleiben und 30% verloren gehen. All das klingt jedenfalls eher unschön und ziemlich unnachhaltig.

Nun wird unser Grundwasser nicht nur verschmutzt, sondern auch in großen Mengen verbraucht. In dem indischen Staat Maharashtra beispielsweise ist das Zuckerrohr für gerade mal 3 Prozent der Anbaufläche verantwortlich. Und dennoch werden 60% der Bewässerung dafür verwendet. Und das ist Grund für enormen Grundwasser Verbrauch. In den letzten Jahren ist das Wasser daher von 15 Meter auf ganze 65 Meter gesunken. Auch in Andalusien trägt die Bewässerung von Zuckerrüben dazu bei, dass das Wasserlevel des Guadalquivir Flusses so gering ist, dass wichtige Feuchtgebiete im Sommer an zu wenig Wasser kommen. Zahlreiche geschützte Feuchtgebiete weltweit und die Hälfte der Feuchtgebiete der Welt sind mittlerweile aufgrund des starken Einflusses dieser Agrikultur verloren gegangen. Tiefliegende Bereiche werden vor allem für den Anbau von Zuckerrohr verwendet. Warum? Weil das die fruchtbarsten sind. Auch unsere Luft freut sich übrigens nicht über den Zuckeranbau. Erhöhte CO2  in der Atmosphäre konnte man beispielsweise im Rahmen der Zuckerernte (Rodung)  in Sao Paulo, Brasilien feststellen.

Bedenkt man, dass Zucker heute in so gut wie jedem industriell hergestellten Produkt enthalten ist, wird einem ganz anders. Biologisch angebauter Zucker mag etwas nachhaltiger sein. Hier bin ich kein Experte. Dennoch meine ich, dass die riesige Nachfrage nach Zucker umnachhaltiger nicht sein könnte. Was ich damit sagen will, ist eigentlich nur, dass jedes Lebensmittel einen ökologischen Fußabdruck hat. Sich auf einen einzigen (zumindest gesunden) Übeltäter wie eine Avocado zu fokussieren, finde ich absurd. Zumal Fleisch, Zucker oder Milch von der Mehrzahl an Menschen konsumiert werden und das zum Teil mehrfach täglich. Irgendwie muss man das Ganze in Relation setzen. Ich kann mich nur wiederholen, Wissen, Information und somit ein geschärftes Bewusstsein führt meiner Ansicht nach zu einem nachhaltigeren Umgang mit ALLEN Lebensmitteln und sogar zu einem grundsätzlich nachhaltigeren und gesünderen Lebensstil.

Und weil es so schön zum Thema passt, hier auch noch ein Rezept für zuckerfreie Schoko Pralinen.

140g Cashewnüsse

2 EL Rohkakao

2 EL festes Kokosöl

60g Ahornsirup – je weniger umso besser

Prise Vanillepulver

Kakaonibs (nach Bedarf) (geschrotete naturbelassene Kakaobohnen)

Himbeeren (frisch oder gefroren)

Die Cashewkerne für rund 2 Stunden in Wasser einweichen. Anschließend gut abspülen und zusammen mit den restlichen Zutaten (Kakaopulver, Kokosöl, Ahornsirup und Vanillepulver) in den Mixer packen. Alle Zutaten im Mixer vermengen bis eine cremige Masse entsteht. Die Masse in eine mit Backpapier ausgelegte Form füllen. Zu guter letzt werden noch Himbeeren darüber gestreut , gegebenenfalls Kakaonibs untergemischt und etwas in die Masse hinein gedrückt. Das Ganze wird nun im Gefrierschrank rund 1 Stunde kalt gestellt bis es fest ist. Anschließend kann das Dessert in kleine Stücke geschnitten und verputzt werden.

Mehr Informationen rund um das Thema Nachhaltigkeit und Zucker findet man übrigens hier auf der Seite des WWF.

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2 Kommentare

  • Reply
    Ilona
    31. Januar 2018 at 17:47

    Ein richtig toller Beitrag, Kompliment! Bei uns gibt es auf dem Blog gerade eine Alternative für Avocado 🙂
    Ich wollte auch schon über die Nachhaltigkeit von Zucker schreiben. Die Schweizer Zuckerproduzenten haben nämlich erst gerade eine Studie publiziert in der sie sagen, dass Schweizer oder Deutscher Rübenzucker nachhaltiger sei als importierter Rohrzucker. Bezüglich Wasser, Landverbrauch und den sozialen Bedingungen haben sie Recht. Allerdings werden bei uns auch grosse Mengen Herbizide bei den Zuckerrüben eingesetzt.
    Für mich gilt Bio und halt wenig Zucker. Einzelne Lebensmittel zu verteufeln bringt nichts, aber ein achtsamer Konsum kann schon viel verändern.

    • Reply
      Eva
      1. Februar 2018 at 14:43

      Das freut mich. Danke dir. 🙂 Und ja! Man muss das Ganze immer von sehr vielen Seiten betrachten um zu sehen ob ein Produkt tatsächlich nachhaltig ist. Gar nicht immer so einfach. Bio und in Maßen find ich auch immer noch den besten Weg. GLG, Eva 🙂 Und auf die Alternative zur Avocado werd ich gleich mal einen Blick werfen.

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