Ein paar Worte zum Thema Nachhaltige Entwicklung & ein Blick hinter die Kulissen des SOS Kinderdorfs

Vor einigen Jahren habe ich mein Masterstudium in England abgeschlossen. Warum dort? Weil mein Wunschstudium hier in Österreich nicht zur Verfügung stand. Das Angebot im Ausland ist einfach umfangreicher. Was ich studiert hab? Nachhaltige Entwicklung und Katastrophenmanagement. Nein, nicht das mit dem Fokus auf Businesskatastrophen sondern das mit dem Fokus auf Naturkatastrophen wie Tsunamis und Co. Es war ein tolles und unglaublich interessantes Studium. Am Ende meiner Zeit dort saß ich aber vor einer großen Weltkarte in meinem Büro und war ziemlich desillusioniert.

Während meiner Studienzeit hab ich mir die unterschiedlichsten Orte auf dieser Karte markiert und sie mit Notizen zum aktuellen Weltgeschehen versehen. Die Karte war voll mit Vermerken zu Naturkatastrophen oder anderen Geschehnissen die auf der Welt schief liefen. Jede noch so spannend klingende Joboption in der Branche mit Potential die Welt zu verändern hat sich für mich angefühlt wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Sache ist die: Zu dem Zeitpunkt fand ich es ziemlich frustrierend, dass Geld nunmal die Welt regiert und es einem dank Bürokratie, Machtspielchen und Co schwer gemacht wird tatsächlich etwas zu bewegen und zu verändern. Zugegeben, es ist immer noch frustrierend. Damals war ich mir nicht sicher was ich mit meinem Studium anfangen sollte. Mittlerweile ist das Thema Nachhaltigkeit aber auch hier auf Individualisten ein wichtiger Teil geworden. Sei es die Auseinandersetzung mit dem Thema Plastik, die Unterstützung der heimischen Bauern durch den Einkauf am Wochenmarkt oder die Wertschätzung von biologischen Produkten – all das ist nachhaltiger Konsum und für mich ein Schritt in die richtige Richtung.

Man nehme nur folgende Fakten als Beispiele zur Hand:

In einem halben Kilo Rindfleisch (Massenproduktion) stecken schon über 6000 Liter Wasser. Aber keine Sorge, auch im Land der Veggies und Veganer wird ziemlich viel Wasser verbraucht. 1 halbes Kilo Sojabohnen benötigen schon 800 Liter Wasser. Klar, kein Vergleich. Aber immer noch genug wenn man bedenkt, dass Wasser DIE Ressource der Zukunft ist. Die Welt besteht zwar aus Wasser aber nur rund 2,5 % davon sind trinkbar. Hier der Link zu National Geographic um noch mehr Vergleiche anzustellen. Während wir unser Konsumbedürfniss befriedigen und laufend Lebensmittel wegwerfen, hungert ein Großteil der Weltbevölkerung in ärmeren Teilen der Welt. Spinnt man das Ganze weiter, klingt es umso absurder wenn man weiß, dass wir unter einer Epidemie an übergewichtigen Kindern leiden während in Afrika alle 20 Sekunden ein Kind stirbt. Und das alles während wir uns über die nächste Shopping Tour in Billigläden Gedanken machen die uns erst durch ausgebeutete Menschen der Dritten Welt ermöglicht wird.

Mittlerweile bin ich der Meinung, dass jede noch so kleine Veränderung und jedes noch so irrelevant erscheinende Engagement wertvoll ist und ganz und gar nicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Geld regiert vielleicht die Welt aber Wissen ist Macht. Sprechen wir über die Dinge die in der Welt schief laufen, tauschen uns aus und inspirieren einander zu einem nachhaltigeren Lebensstil – dann kann sich etwas verändern. Nachhaltige Entwicklung definiert sich als Entwicklung die einerseits unserer Generation dient ohne dabei aber die Zukunft unserer Nachkommen und deren Bedürfnisse zu gefährden. Verschwenderisch mit unseren Wasserressourcen umzugehen, täglich dreimal am Tag Fleisch aus Massenproduktion zu konsumieren, zahlreiche Superfoods aus Timbuktu einfliegen und wertvolle Lebensmittel verderben zu lassen um sie dann in 3. Welt Ländern zu Dumpingpreisen auf den Markt zu werfen – das ist so ziemlich das Unnachhaltigste was man tun kann. Zu mir hat mal jemand gesagt: Jetzt soll ich mich gesund ernähren und dann soll ich auch noch darauf achten, dass mein Konsum nachhaltig ist?! Das ist echt zu viel verlangt. Und ich verstehe es. Es ist viel verlangt die Dinge zu hinterfragen und kostbare Zeit zu investieren. ABER – einfach wegzuschauen ist nicht die Lösung – viel eher Ursprung des Problems. Je mehr Menschen aber über die Konsequenzen ihres Verhaltens Bescheid wissen, sich damit auseinandersetzen und Zusammenhänge erkennen  – so hoffe ich – werden auch mehr Menschen bewusster leben und die Bedeutung hinter dem Begriff Nachhaltige Entwicklung etwas ernster nehmen. Und nobody is perfect – kleine Schritte können auch zu Veränderung beitragen.

Inspirierende Individualisten

Im Sinne dieser Wissensvermittlung möchte ich heute wieder einen inspirierenden Individualisten vorstellen – eigentlich eine Vereinigung an Individualisten. Hinter dem SOS Kinderdorf stehen schließlich eine Vielzahl an engagierten Menschen die etwas bewegen wollen.

Gegründet wurde das SOS Kinderdorf 1946 mit der Intention Kindern die ihre Familie verloren haben wieder ein Zuhause zu geben. Hermann Gmeiner legte zusammen mit Freunden in Innsbruck den Grundstein als er “Societas Socialis” (SOS) gründete um der Schutzlosigkeit von Kindern entgegenzuwirken. Zu Beginn finden Kriegswaisen dort ein neues Zuhause. Von da an nahm alles seinen Lauf und auch unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge finden mittlerweile in SOS Kinderdörfern Unterstützung. Allein in Österreich gibt es 61 aktive Projekte in denen Kindern und Familien geholfen wird. So leben beispielsweise in einem Kinderdorf wie in Seekirchen bei Salzburg 12 Familien. Jede SOS Kinderdorffamilie besteht aus rund 6 Kindern die aus diversen Gründen nicht in der Herkunftsfamilie leben können. Teil einer jeden Kinderdorf-Familie ist eine Kinderdorfmutter die sich zusammen mit Mitarbeitern um das körperliche und seelische Wohlbefinden der Kinder kümmert. Das SOS Kinderdorf in Seekirchen arbeitet übrigens auch daran energieautark zu werden. Diesen ganzheitlichen Ansatz find ich super.

Neben den klassischen Kinderdörfern und Jugendwohneinrichtungen gibt es ebenso SOS-Schulen sowie SOS-Berufsbildungszentren. Das Ziel der Hilfsprogramme ist es außerdem die Lebensbedingungen von Familien nachhaltig zu verbessern. Was mir besonders gut gefällt ist, dass auch tatsächlich etwas getan wird das zukunftsträchtig ist und das Problem bei der Wurzel packt. So werden auch Frauen und Jugendlichen Weiterbildungsmöglichkeiten geboten und eine Grundsicherung von medizinischer Versorgung geschaffen. Mittlerweile ist das SOS Kinderdorf auch international tätig. Weltweit gibt es 2100 Projekte in über 100 Ländern – darunter Uganda, Thailand oder auch Peru. So wurde es beispielsweise rund 56.000 afrikanischen Kindern ermöglicht eine SOS Kinderdorf Schule zu besuchen und rund 20 Berufsbildende Zentren bereiten Jugendliche  sowie Erwachsene auf das Berufsleben vor.

Persönlich denke ich, dass das Investment in Bildung in unseren sowie anderen Breitengraden das Um und Auf für eine nachhaltige Zukunft ist. Genau deshalb freue ich mich hier auf Individualisten über das SOS-Kinderdorf und die Tätigkeiten dahinter zu berichten. Ich selbst wusste nicht genau was für Projekte dahinter stehen und bin jetzt um einiges schlauer. Das SOS-Kinderdorf hat übrigens eine tolle Aktion am Start. Und zwar kann man hier eigene Crowdfunding Kampagnen starten um für ein Projekt seiner Wahl ganz gezielt Geld zu sammeln. Das wird dann nicht bloß weitergegeben sondern gezielt in die Zukunft von Menschen investiert. Ich finde das ist eine tolle Idee um einerseits ganz konkret etwas zu bewirken und andererseits Gleichgesinnte zusammenzubringen und mehr Menschen zu nachhaltigem Denken zu inspirieren.

Bildquelle: SOS Kinderdorf / Hermann Gmeiner mit tibetischen Flüchtlingskindern 

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