Kann man eine Nahrungsmittelunverträglichkeit heilen?

Der Ursprung dieses Blogs ist ja eigentlich meine Fruchtzucker-Unverträglichkeit. Hier kann man die detaillierte Geschichte nachlesen. Kurz gesagt: vor einigen Jahren stellte sich raus, dass mein Körper nicht so gut mit Fruchtzucker umgehen kann. Da fehlt ein bestimmtes Enzym namens Glut-5 oder ist zumindest Mangelware. Besagtes Enzym ist dafür zuständig den Fruchtzucker in der Nahrung aus den Verdauungsorganen in den Blutkreislauf und zu Leber und Co zu transportieren. Das Fehlen des Enzyms hat zur Folge, dass nach dem Konsum von recht viel Fruchtzucker diverse Verdauungsbeschwerden auftreten weil die Nahrung im Darm liegen bleibt, nicht korrekt verarbeitet wird und zu gären beginnt. Unschöne Sache und eher weniger lustig das Ganze. Anfangs war ich leicht verzweifelt. Obst und vor allem Süßigkeiten waren aus meinem Leben nicht wegzudenken. Süßigkeiten werden ja eigentlich bei einer Unverträglichkeit dieser Art meist als OK beschrieben. Erstaunlicherweise. In Wirklichkeit tragen sie aber ebenso zu zahlreichen Beschwerden bei – vor allem weil Zucker heutzutage in so unglaublich vielen Lebensmitteln steckt. In herkömmlichem Zucker steckt nämlich recht viel Fruchtzucker und da erreicht man dann richtig schnell sein Limit. Naja, im Endeffekt stellte sich diese Unverträglichkeit aber als ein ziemlicher Segen raus. Ohne sie wäre ich nie auf die Idee gekommen meine Ernährungsweise zu hinterfragen und schon gar nicht anzufangen Inhaltsangaben zu lesen. Holy Canoly. Was man da alles lernt. Einmal angefangen, stolperte ich von einem Thema zum Nächsten. Durch meine Unverträglichkeit habe ich also definitiv meine Passion entdeckt, diese zum Beruf gemacht und genau deshalb lesen wir uns heute auch hier.

Wie auch immer. Heute – einige Jahre nach der Diagnose und nach zahlreichen Recherchen – geht es mir mit meiner Unverträglichkeit eigentlich ziemlich gut. Ich hab kaum bis gar keine Beschwerden mehr. Wenn ich früher nicht mal einen Apfel essen konnte, vertrage ich heute sogar mehrere Stück Obst pro Tag. Wie ich das gemacht habe? Meine Erfahrungen will ich in diesem Beitrag teilen.

Ich esse grundsätzlich ziemlich wenig Obst. 

In meinem letzten Beitrag habe ich schon über das Thema Obst geschrieben und diverse Gründe aufgezählt warum wir alle eigentlich viel zu viel davon essen. Grundsätzlich habe ich meinen Konsum sehr eingeschränkt. Wenn, dann esse ich vorwiegend heimische Sorten und im Winter verzichte ich zum Teil ganz darauf oder greife maximal auf ein paar gefrorene Beeren zurück. Wenn, dann esse ich immer nur ein Stück Obst am Stück und konsumiere es meist zusammen mit etwas Fett wie Nussbutter, Kokosmus oder Naturjoghurt. Diese Kombi hilft im übrigen auch dabei den Blutzuckerspiegel nach zuckerreichen Obstsorten stabiler zu halten. Um Fruchtsäfte oder Smoothies die aus mehr Obst als Gemüse bestehen mache ich einen Bogen. Aber nicht nur weil ich eine Unverträglichkeit auf Fruchtzucker habe, sondern weil Fruchtzucker im Allgemeinen ziemlich “bescheiden” ist und vor allem in Säften in hochkonzentrierter Form alles andere als gesund ist. Für mich stellt der Verzicht auf Obst kein Problem dar. Zumal ich ja nicht wirklich verzichte. Ich habe immer ein paar Datteln, gefrorene Beeren oder getrocknete Maulbeeren daheim die mir meine zuckerfreien Desserts gelegentlich (in kleinen Mengen) versüßen. Schon einmal davon gehört, dass man täglich 5 Portionen Obst und Gemüse essen soll? Das stimmt. Die Sache ist nur die, dass die meisten Menschen das Gemüse still und heimlich aus dieser Regel rausschmuggeln und dann Unmengen an Obst konsumieren. Gelegentlich mal kommt dann ein Stück Brokkoli oder Fenchel auf den Tisch. Entgegen der allgemeinen Meinung ist Obst nicht essentiell um unseren Vitaminhaushalt in Balance zu halten. Eine ausgewogene Kost mit reichlich buntem und vor allem grünem Gemüse ist völlig ausreichend. Gemüse steht also bei mir an erster Stelle und wird nur ab und an durch ein Stück Obst ergänzt.

Ich esse keinen Industriezucker. 

Dazu muss ich eigentlich nicht viel sagen. Individualisten ist ein zuckerfreier Blog. Was ich damit meine, habe ich hier schon einmal verdeutlicht. Grundsätzlich bedeutet es aber, dass ich so natürlich wie möglich esse und auf industriell verarbeitete Ware mit allerlei Zusatzstoffen verzichte. In denen steckt nämlich irre viel Zucker und die vielen Zusatzstoffe und stark bearbeiteten Zutaten schädigen unseren Darm. Meine Tour durch den Supermarkt auf der Suche nach versteckten Zuckern könnte man hier folgen. Raffaelo und Co habe ich schon ewig nicht mehr gegessen und auch das fehlt mir nicht. Ganz im Gegenteil. Heute greife ich viel lieber zu meinen Süßkartoffel Brownies, meiner homemade Schokolade oder meinem selbst gemachtem Braunhirse Müsli. Zuckerfrei ist möglich und keine Kunst. Es gibt tolle Alternativen zu Industriezucker und kehrt man einmal den herkömmlichen Süßigkeiten den Rücken, dann benötigt man auch nicht mehr so viel Süßes. Die Geschmacksknospen verändern sich. Raffaelo und Co schmecken mir heute gar nicht mehr. Viel zu süß das Zeug. Dennoch ist der süße Geschmack wichtig. Über meine liebsten tatsächlich zuckerfreien Zuckeralternativen habe ich hier schon einmal geschrieben.

Ich verzichte auf Gluten. 

Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mehr Fruchtzucker in Form von Obst und auch Gemüse essen kann, wenn ich auf Gluten in Weizen und Co verzichte. Geht es manchen von euch auch so? Eine meiner Erklärungen dafür ist eine Gluten Sensitivität unter der viele von uns unbewusst leiden. Gluten kann aber auch erwiesenermaßen unsere Darmschleimhaut schädigen und ist der Darm mal angegriffen steht der Entwicklung von diversen Beschwerden nichts mehr im Weg. Ist der Darm aber gesund, dann ist er auch stark genug um mit Nahrungsmitteln wie Weizen umzugehen – solange wir das Superorgan damit nicht überfordern. Alles in Maßen ist hier mein Motto.

Wenn man es genau nimmt, sind die bisher genannten Punkte eher Strategien um Beschwerden die mit einer Unverträglichkeit einher gehen zu vermeiden. Übrigens gilt das Gleiche für die sogenannte FODMAPs Ernährungsweise die ich hier schon einmal angesprochen habe. Sie soll vor allem für all jene mit Verdauungsbeschwerden eine “heilende” Therapie sein um alles wieder in Balance zu bringen – meine Erfahrungen bestätigen das. Für mich war und ist es aber das Ziel nicht nur beschwerdefrei zu sein, sondern auch dem eigentlichen Ursprung des Problems auf den Grund zu gehen. Und das führt mich direkt zum nächsten Punkt – für mich der wichtigste Aspekt im Umgang mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Ich habe meinen Darm “geheilt”. 

Klingt ein bisschen abgehoben – ist mir klar. ABER meine Recherchen haben ergeben, dass sich Nahrungsmittel Unverträglichkeiten und Allergien aufgrund einer gestörten Darmflora entwickeln bzw. eine gestörte Darmflora zur Folge haben. Das ist ein bisschen wie mit dem Huhn und dem Ei – was zuerst da war, da ist sich niemand so wirklich sicher. Wie auch immer. Hat man eine Nahrungsmittel Unverträglichkeit, hat man in 99% der Fällen auch ein Problem mit dem Darm. Sei es eine Dysbalance zwischen den guten und schlechten Bakterien, eine entzündete oder gar durchlässige Darmschleimhaut oder sonstige Darmerkrankungen. Für mich ist der Darm mittlerweile ein ziemlich faszinierendes Organ. Vor allem weil ich immer wieder sehe wie stark die Darmgesundheit mit dem Rest des Körpers zusammenhängt. Der Ursprung zahlreicher Erkrankungen kann im Darm sitzen: Asthma, Autismus, Depressionen und vieles mehr. Das Gute ist, man kann etwas dagegen tun.  Erwiesenermaßen trägt unsere heutige westliche Ernährungsweise und vor allem Gluten, Zucker sowie diverse Horrorinkredenzien dazu bei unseren Darm kaputt zu machen.

Der Verzicht auf Gluten und Zucker sowie das Streichen von industriell hergestellten Lebensmitteln mit allerlei Zusatzstoffen hat mir persönlich sehr gut getan. Nicht nur ist mein Darm besser dran, auch mein Immunsystem ist beispielsweise viel stärker. Aber nachdem ein Großteil unseres Immunsystems im Darm sitzt, ist das keine Überraschung. Zusätzlich habe ich auch einige Superfoods wie Kurkuma und Ulmenrinde sowie die Aminosäure L-Glutamin in meine Ernährung eingebaut um meine Darmschleimhaut zu heilen und Entzündungsherden entgegenzuwirken. Mehr dazu hier. Auch trinke ich regelmäßig “Suppe”. Über die darmheilenden Qualitäten von BIO Rinderbrühe und Hühnersuppe hab ich hier schon einmal geschrieben – und die sind wirklich nicht zu unterschätzen. Ich weiß, sobald ich Knochenbrühe sage, zucken viele Leute zusammen. ABER – wie immer gilt: werft einen Blick auf das was unsere Vorfahren gemacht haben. Die haben auch nicht nur die Gustostückerl vom Tier konsumiert sondern ebenso das Beste aus den Knochen des Tieres rausgeholt. Ist immerhin auch nachhaltiger das Ganze Tier zu verbrauchen wenn man es schon abmurkst, oder? Naja, und definitiv nicht vergessen sollte man an dieser Stelle fermentierte Lebensmittel. Wasserkefir, Kombucha, Sauerkraut und CO sind besonders wertvoll um unseren Darm mit reichlich guten Bakterien zu versorgen und so zu einem Gleichgewicht der Darmflora beizutragen.

Last but not least: Ich habe gelernt – oder bin immer noch dabei – meinen Stress in den Griff zu bekommen. 

Jeder der eine Unverträglichkeit hat wird mir zustimmen. Stress und Ärger machen alles schlimmer. Ich hab bemerkt, dass ich weniger Fruchtzucker vertrage und mehr zu Verdauungsbeschwerden neige wenn ich gestresst bin. Also habe ich gelernt mich zu entspannen. Besonders hilfreich finde ich Meditation und tiefe Atmung. Das Um und Auf im Umgang mit einer Nahrungsmittel Unverträglichkeit und Stress ist außerdem KAUEN. Kein Witz. Ich bin ein Schnellesser und muss mich immer wieder daran erinnern. Oma sei Dank – die hat immer mit mir um die Wette gegessen. #sachengibts Kauen wir unser Essen ausgiebig, tut sich unsere Verdauung leichter das Ganze zu verarbeiten. Und das ist nicht nur bei einer Unverträglichkeit relevant. Hinzukommt, dass ich kaum bis nichts trinke während ich esse. Das verwirrt unseren Darm zusätzlich und stört die Verdauungssäfte. Die alte Weisheit mit – trink ein Glas Wasser direkt vor dem Essen, dann isst du nicht zu viel und nimmst ab – kann man also vergessen. Abnehmen tut man, wenn der Darm gesund ist und man dem industriell hergestellten Mist den Rücken kehrt.

Jeder von uns ist unterschiedlich und hat einen anderen Ausgangspunkt. In einem Ernährungstraining kann man gezielt auf die individuellen Bedürfnisse eingehen, einen maßgeschneiderten Plan erstellen und noch weiter in die Tiefe gehen was die optimalen Strategien angeht. Dennoch möchte ich einige meiner Erfahrungen mit euch teilen in der Hoffnung meine Tipps können auch euch den Umgang mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit erleichtern.

Eine Sache noch zum Schluss: Darmheilung funktioniert nicht von heute auf morgen. Man braucht Geduld und Ausdauer. Über kurz oder lang lohnt es sich aber.

Bildquelle: pexels

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  • Reply
    Nina Giesenberg- Kruse
    22. Juni 2018 at 22:05

    Hallo,
    danke, danke für deinen Blog und deine positive Einstellung zum Thema Darm und Gesundheit. Ich bin noch mitten im Prozess und bin durch alle Hochs und Tiefs gegangen. Wir sollten der Unverträglichkeit positiv begegnen und nivht zurück, sondern nach vorne schauen. Statt- was geht nicht mehr, sollte man sagen: was darf ich dafür essen. Eine neue, andere Tür geht auf und zeigt uns, dass wir besser mit unserem Körper umgehen sollen. Die Unverträglichkeit ist nur ein Symptom, welches im Körper manifestiert ist…ein Hilfeschrei meines Körpers etwas Grundlegendes zu verändern….die Antwort darauf ist unser Seelenleben, welches kaum noch Beachtung findet in einer immer schneller werdenden Zeit….Nina

    • Reply
      Eva
      23. Juni 2018 at 11:31

      Danke für den Input Nina! Da stimm ich dir absolut zu. Bin überzeugt von dem Zusammenspiel unsere Emotionen und unserer Beschwerden. Alles Liebe, Eva

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