Kokosöl ist giftig – oder doch nicht?

Ich hab unzählige Nachrichten bekommen. Eva, Kokosöl ist giftig!!! Was soll ich sagen. Da kann der Kaiser von China vor mir stehen und mir das erzählen … ich würde es dennoch nicht glauben. Ergo, meine Wenigkeit glaubt auch besagter Harvard Professorin nicht, welche die Massen mit ihrem mittlerweile bekannten YouTube Video dezent verwirrt. Warum? Weil meine Recherchen etwas anderes sagen. Und auch wenn ich sicher nicht allwissend bin, darauf vertraue ich. Und ich will mein Wissen gerne mit euch teilen um ein bisschen Entwirrung in den Kokosöl Dschungel zu bringen.

Kokosöl ist giftig. Diese Aussage basiert auf der Annahme, dass gesättigte Fettsäuren schlecht für uns sind. Gesättigte Fettsäuren sind vor allem in tierischen Produkten sowie in tropischen Ölen wie eben auch Kokosöl zu finden. Seit jeher wird behauptet

  • gesättigte Fettsäuren führen zu Herzerkrankungen
  • eine Ernährung die reich an gesättigten Fettsäuren und Cholesterin ist, würde die Cholesterin Werte erhöhen

Gleich vorweg: Cholesterin zu konsumieren führt nicht zum Herzinfarkt. Darüber hab ich hier schon einmal im Detail geschrieben. Man darf also ruhig Eier essen. Nicht zuletzt weil sie ganze 13 wertvolle Nährstoffe enthalten. Darunter auch Cholin – ein B Vitamin – das relevant ist für unsere Entgiftungsprozesse, unser Gehirn sowie unsere Zellen.

Und nun zu den gesättigten Fettsäuren. Es gibt Studien die besagen, dass gesättigte Fettsäuren unser Cholesterin Level erhöhen können. Meist sind diese Studien aber immer sehr kurz gehalten. Langfristige Studien zeigen keinen Zusammenhang zwischen gesättigten Fettsäuren und dem Cholesterin in unserem Blut. Eine japanische Studie beispielsweise hat 58000 Männer über 14 Jahre beobachtet und fand heraus, dass es keine Zusammenhänge zwischen den gesättigten Fettsäuren und Schlaganfall oder Herzerkrankungen gibt.  Es gibt sogar Studien die besagen, dass Ernährungsweisen mit wenig Kohlenhydraten und mehr gesättigten Fettsäuren sich positiv auf unsere Herzgesundheit auswirken können.

Wie kommen dann Ärzte oder Harvard Professoren darauf, dass gesättigte Fettsäuren und im Speziellen Kokosöl schädlich für uns seien? 

Ihr Wissen beruht auf sehr alten Studien. Schlimm, ich weiß. Zum Teil sind diese Studien bis zu 40 Jahre alt. Eine dieser Studien ist jene 7 Länder Studie von Ancel Keys. Der gute Kerl hatte die Theorie gesättigte Fettsäuren führen zu Herzerkrankungen. Er untersuchte 22 Länder. Und dann pickte er sich die 7 Länder raus, die seiner Ansicht nach die Theorie untermauerten. So funktioniert objektive Wissenschaft nicht.

Nun kann man eine Studie mit der nächsten vergleichen und sich auch die nächsten 40 Jahre im Kreis drehen, Ernährungsratschläge an Menschen weitergeben die nicht zu 100% belegt sind und eventuell noch mehr Schaden anrichten.

Persönlich finde ich gibt es neben den wissenschaftlichen Studien einige weitere Faktoren zu bedenken. Dann kann man sich selbst für oder gegen den Konsum entscheiden.

Nun mag eine Studie sagen, Menschen die viel Fleisch (gesättigte Fettsäuren) konsumieren, leiden eher an Herzerkrankungen. Dann gibt es Studien die sagen, Menschen die wenig Kohlenhydrate und somit mehr gesättigte Fettsäuren konsumieren leiden weniger an Herzerkrankungen. Für mich stellt sich aber eine wesentliche Frage: Was essen die Menschen denn sonst noch so? Und wie steht es um die Qualität der tierischen Lebensmittel die sie konsumieren? Involviert deren Ernährungsweise kaum oder viel Gemüse, Ballaststoffe, wertvolle Nüsse oder auch Getreide? Besteht ihre Ernährungsweise vielleicht aus unbiologischem Fleisch aus Massentierhaltung, Energy Drinks und jeder Menge Zucker? Rauchen manche der Probanden vielleicht auch und bewegen sich kaum? Wie ist der Gesundheitszustand der Probanden bevor sie eine bestimmte Ernährungsweise angenommen haben und was war ihre Motivation dafür (Gesundheit / Krankheit)? Meist wird darauf in diesen besagten Studien rein gar nicht geachtet. Dennoch ein recht wesentlicher Aspekt wie ich finde.

Und dann kommt auch noch hinzu, dass nicht alle Menschen gleich sind. Individualität spielt eine Rolle. So gibt es beispielsweise Menschen (25%) die wenn es um Cholesterin geht sogenannte Hyper-Responders sind. Bei diesen 25% führt Cholesterin aus der Ernährung zu erhöhten LDL und HDL Cholesterin werten. Dennoch haben diese Menschen kein erhöhtes Risiko an Herzerkrankungen zu leiden. Und dann gibt es auch noch Menschen die Stärke in Kohlenhydraten besser oder schlechter verarbeiten können. Und auch hier hängt das Ganze mit ihren Genen zusammen. Ebenso mit Amylase – ein Enzym in unserer Spucke die dabei hilft Stärke zu verarbeiten. Haben wir mehr AMY1 Gene, bedeutet das mehr Amylase um Kohlenhydrate zu verarbeiten. Kulturen die also immer schon mehr Stärke gegessen haben (Japan beispielsweise), haben mehr der AMY1 Gene. Im Gegenteil zu Kulturen die nahe des Polarkreises leben (Russland bspw.). Bildquelle: Precsion Nutrition.

Weiters bin ich der Ansicht, dass man kein endgültiges Urteil aufgrund von ein paar Studien fällen kann oder darf. Ernährung kann einen therapeutischen Effekt haben. So kann eine Ernährungsweise mit wenig Kohlenhydraten und viel Proteinen und Fetten für jemanden mit Diabetes wertvoll sein. Ebenso kann jemand mit neurologischen Problemen davon profitieren. Eine Frau die ihre Periode aufgrund eines dauerhaften Kalorienmangels verloren hat und ihren Hormonhaushalt wieder in Balance bringen möchte, ist hingegen auf reichlich Kohlenhydrate in der Ernährung angewiesen. Ergo, auch die individuelle Ausgangssituation spielt eine Rolle. Hat man keine Beschwerden, bin ich ein Fan einer ausgewogenen Kost die Fette, Proteine und Kohlenhydrate gleichermaßen beinhaltet und in erster Linie auf gute Qualität und reichlich buntes Gemüse wert legt.

Und was war jetzt mit Kokosöl?

Kokosöl ist ein gesättigtes Fett, ja. Und welche Studien man nun als richtig erachtet sei dahin gestellt. Man stelle sich auch hier die Frage: Wie um alles in der Welt leben unsere asiatischen Freunde immer noch? Wäre Kokosöl giftig müssten Balinesen, Thailänder und Co der Reihe nach tot umfallen. Und gerade diese Menschen leben zum Teil weitaus gesünder und länger als wir. Weiters gibt es es jede Menge Studien die belegen, dass Kokosöl antibakteriell ist, hilft Entzündungsherde zu reduzieren, eventuell sogar den Gewichtsverlust unterstützen kann und selbst im Rahmen von Alzheimer helfen kann.

Fazit: Für mich bleibt Kokosöl guter Qualität weiterhin Bestandteil meiner Küche und meiner Ernährung.

Man werfe gerne einen Blick auf die erwähnten Studien: 

Choline: an essential nutrient for public health. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19906248

Effects of dietary fatty acids and carbohydrates on the ratio of serum total to HDL cholesterol and on serum lipids and apolipoproteins: a meta-analysis of 60 controlled. trials.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12716665

Does Dietary Saturated Fat Increase Blood Cholesterol? An Informal Review of Observational Studies. https://wholehealthsource.blogspot.com/2011/01/does-dietary-saturated-fat-increase.html

Systematic review and meta-analysis of clinical trials of the effects of low carbohydrate diets on cardiovascular risk factors. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22905670

Meta-analysis of prospective cohort studies evaluating the association of saturated fat with cardiovascular disease. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20071648?dopt=AbstractPlus

Dietary intake of saturated fatty acids and mortality from cardiovascular disease in Japanese: the Japan Collaborative Cohort Study for Evaluation of Cancer Risk (JACC) Study.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20685950?dopt=AbstractPlus

Low copy number of the salivary amylase gene predisposes to obesity. https://www.nature.com/articles/ng.2939

Anti-inflammatory, analgesic, and antipyretic activities of virgin coconut oil. https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.3109/13880200903062614

Antimicrobial effects of virgin coconut oil and its medium-chain fatty acids on Clostridium difficile.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24328700

The role of dietary coconut for the prevention and treatment of Alzheimer’s disease: potential mechanisms of action. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25997382

Weight-loss diet that includes consumption of medium-chain triacylglycerol oil leads to a greater rate of weight and fat mass loss than does olive oil. https://academic.oup.com/ajcn/article/87/3/621/4633434

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