Insights: 3 Dinge die ich in der Schwangerschaft gelernt habe

Ab und zu darf es ein bisschen Selbstreflexion sein. Ich hab während meiner Schwangerschaft eigentlich kaum körperliche Beschwerden gehabt. Viel eher fand ich das Ganze auf mentaler Ebene manchmal eine echte Herausforderung. Eine tolle Herausforderung an der ich wachsen konnte und von der ich immer noch profitiere. Ein paar meiner Erkenntnisse will ich heute mich euch teilen.

#1 Information ist alles

Ich würde mich grundsätzlich eher als einen Menschen bezeichnen, der Dinge gern mal hinterfragt. Vor allem im Bereich Wohlbefinden, Gesundheit, Ernährung bin ich doch recht belesen und lass mir nicht jeden Blödsinn weiß machen. Meine Informationen habe ich nicht aus der Bild sondern eher aus Studien und qualitativ hochwertigen Quellen. Ich recherchiere einfach gerne und fand den Teil schon während meiner Studien am spannendsten. Während der Schwangerschaft musste ich aber lernen, dass es nicht immer so gern gesehen ist wenn man Fragen stellt und informiert ist. Vor allem wenn das Gegenüber das eben nicht ist. Und vor allem wenn die Ergebnisse meiner Recherchen vom Standard abweichen. Wie ich das meine? Ich hab während der Schwangerschaft viel gelesen, viel recherchiert und gelernt und bin über Themen gestolpert, in die es mir wert war tiefer einzutauchen. Naja, und dann stellt man schnell fest, dass einem nunmal wie in unserem System üblich, der Standard auferlegt wird. Jeder Ansatz passt zu 100% auf jede Frau. Und dieser Standard geht nicht unbedingt immer mit der Zeit und zum Teil werden Dinge gepredigt die vor 20 Jahren mal aktuell waren, heute schon längst widerlegt sind und zum Teil echt unnötig sind. Ein tolles Beispiel hierfür ist das Cholesterin Thema oder das Fett Thema.

Voll bepackt mit meinen Fragen und meinem Hintergrundwissen bin ich also zu meinem Frauenarzt um zu diskutieren ob beispielsweise der Zuckerbelastungstest für mich wirklich notwendig ist oder ob bei jeder Untersuchung tatsächlich ein Ultraschall benötigt wird. Stellte sich raus, besagter Arzt war nicht wirklich amused über meine Fragen und konnte gar nicht verstehen warum ich ihm denn nicht blind vertraue. Ich glaube mich sogar zu erinnern, er meinte ich sei einen Behandlungsvertrag mit ihm eingegangen. Völliger Schwachsinn natürlich. Naja … was soll ich sagen. Jedenfalls haben meine Fragen und meine Ansichten zu bestimmten Themen – basierend auf meinen persönlichen Recherchen – den guten Herrn Doktor dann doch etwas aus der Reserve gelockt. Man konnte gut erkennen, dass er sich völlig außerhalb seiner Komfortzone befand und schlicht und ergreifend selbst noch nie hinterfragt hat, ob besagte Standardprozedere denn auch Nachteile mit sich bringen könnten. Und nein, auf angesprochene Prozedere und mögliche Nachteile werd ich hier und heute nicht eingehen. Das Thema ist heikel um ehrlich zu sein und viele Menschen fühlen sich dadurch angegriffen. Aber vielleicht verfasse ich mal eine Zusammenfassung oder ein kleines E-Book meiner Erkenntnisse rund um Schwangerschaft und Geburt  – ganz gezielt für interessierte Mamas! Würde euch sowas interessieren? Aber zurück zum Thema.

Menschen die sich außerhalb ihrer Komfortzone befinden, tendieren jedenfalls gern mal dazu mit schwindligen und unsachlichen Aussagen um sich zu werfen. Unschöne Sache wie ich finde. Und ziemlich unnötig. Während einer Schwangerschaft ist man ja schon mal etwas gefordert als Frau – körperlich und emotional. Und sich dann auch dafür einsetzen zu müssen, dass ein Arzt auf die individuellen Fragen eingeht und zur Abwechslung mal sein Wissen auf den neuesten Stand bringt, war dann doch eine dezente Herausforderung. Geendet hat das Gespräch schließlich mit seiner Bitte ihm doch meine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu übermitteln und mit dem Eingeständnis, dass der Standard nunmal in erster Linie auch eine Absicherung für den Arzt ist. Diese Einsicht war ja ganz nett, auch wenn nie wieder auf meine besorgten Fragen und Erkenntnisse eingegangen wurde oder diese auch nur in irgendeiner Form erwähnt wurden. Ergo, hab ich den Arzt gewechselt. Gott sei Dank. Gefunden hab ich schließlich einen Arzt der mit seinem Wissen nicht vor 30 Jahren stehen geblieben ist, der Frauen als Individuum betrachtet, auf ihre Fragen und Sorgen eingeht und noch dazu sachlich darauf antworten kann. Versteht mich nicht falsch. Mein “alter” Arzt war ein netter Kerl. Er war einfach nur nicht der passende Arzt für mich und meine Fragen. Und die Entscheidung zu wechseln war nicht leicht. Manchmal braucht es aber genau solche Erlebnisse um zu begreifen, dass man sich ruhig mal auflehnen und Antworten einfordern darf und vor allem Ansprüche stellen darf.

Was ich aber eigentlich mit meiner kleinen Anekdote sagen will: Information ist ALLES. Nicht nur in einer Schwangerschaft. Ich meine es ist wichtig sich für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden einzusetzen und sich die Zeit zu nehmen darüber zu lernen. Man muss kein Profi werden. Aber man sollte Interesse zeigen – und dieser Part liegt vor allem beim Patienten. Und damit meine ich nicht “Kopfschmerzen” zu googeln um dann die Selbstdiagnose Hirntumor zu erstellen. Geht man heute zum Arzt werden einem schnell mal für jegliche Beschwerden Medikamente verschrieben. Kaum ein Arzt beschäftigt sich mit dem Patienten, erstellt einen gezielten Behandlungsplan und geht vielleicht sogar auf Ursachenforschung des eigentlichen Problems anstatt es mit Medikamenten zu übertünchen. Und hier setzt auch der Patient ein, der nunmal einen höheren Anspruch stellen muss. In der Gesundheitsbranche tut sich so viel. Da darf man ruhig nachfragen ob das die aktuellsten Erkenntnisse zu einem Thema sind. Und da muss man als Arzt auf dem aktuellen Stand bleiben und DAS erwarte ich mir auch von meinem Arzt. Klar, Zeit ist knapp. Aber an diesem Anspruch fährt für mich kein Zug vorbei. Für mich ist es wichtig, dass mir mein Gegenüber welches mich zu meiner Gesundheit und meinem Wohlbefinden berät eine Frage beantworten kann: Warum? Warum soll ich das machen? Warum ist dieser Weg der richtige? Warum gibt es keine andere Option? Oder gibt es die doch? Warum habe ich dieses Problem überhaupt? Gibt es keine zufrieden stellende Beantwortung, dann such ich persönlich das Weite. Was dann? Dann informiere ich mich erst recht und hinterfrage die Standardfloskeln. Diese Eigenverantwortung ist zum Teil mühsam und zeitraubend. Es ist ähnlich wie mit den Diäten. Ich kann einer Diät folgen die auf jeden Menschen gleichermaßen passen soll. Oder ich kann versuchen meinen Körper kennenzulernen und die für mich persönlich individuell beste Ernährungsweise finden und entsprechend nach meinen Bedürfnissen anpassen. Ich finde es lohnt sich und wir sollten im Bereich unserer Gesundheit einfach mehr Fragen stellen.

Weder Blogger, noch”Götter in Weiß” wissen ALLES. Wir alle können voneinander lernen.

Genau diese Inspiration ist mein Anliegen hier auf Individualisten. Ich bekomme manchmal Nachrichten zu Artikeln in denen mir mitgeteilt wird: “Aber, das hättest du noch erwähnen sollen und dies und jenes fehlt”. Ja, klar. Aber dann müsste ich ein Buch schreiben. Und es geht mir viel eher darum, zu informieren, zu inspirieren und dazu anzuregen selbst weiter zu recherchieren. Wenn ein Thema zusagt und einen selbst betrifft, dann ist diese Eigenverantwortung heute nunmal nötig. Zumindest ist das meine Erkenntnis. Und hier habe ich schon einmal mit einem Arzt zum Thema diskutiert.

#2 Intuition darf sein

Vor allem während einer Schwangerschaft lernt man mehr auf seine Instinkte und Intuition zu hören. Ich fand das allerdings gar nicht so einfach. Ich hatte das Gefühl mich recht oft für meine Entscheidungen oder meine Denkweise rechtfertigen zu müssen – siehe mein Erlebnis mit dem Herrn Dottore. Und während ich auf mein Wissen vertraue und grundsätzlich keine Angst habe gegen den Strom zu schwimmen, wurde genau diese Einstellung dennoch oft auf die Probe gestellt. Ich kann also gut verstehen, warum viele Menschen einfach mal aufhören zu fragen oder sich bestimmten Dingen hingeben weil es einfach zu mühsam ist – vor allem wenn man vom Gegenüber das Gefühl bekommt keine Ahnung zu haben. Man wird ganz einfach verunsichert und ich meine das sollte nicht sein. Viel eher sollte man in seiner Intuition bestärkt, der Wissensaustausch untereinander gefördert werden und man sollte in seinem Interesse für das eigene und kindliche Wohl bestärkt und sachlich beraten werden. Ich hab gelernt mich für mich einzusetzen, mich nich unnötig verunsichern zu lassen und zu vertrauen. Und dabei kam was schönes raus – im wahrsten Sinne. Ich hab meine Intuition entdeckt und gelernt meinem Bauchgefühl zu vertrauen. Und das ist eine ganz neue Form von Selbstbewusstsein wie ich finde.

#3 Kommunikation ist ALLES

Naja, und dann hab ich noch gelernt besser zu kommunizieren. Ich hab gemerkt, wir alle gehen mit viel zu viel Erwartungen und Annahmen durchs Leben. Das hat jetzt nicht unbedingt was mit dem schwanger sein zu tun. Oder vielleicht doch? Irgendwie hört man dann doch ein bisschen mehr nach innen. Jedenfalls kam ich zu der Conclusio, dass man vor allem bei Unstimmigkeiten, einfach mal nachgeben darf. Es ist ein bisschen wie im Krieg. Der eine wirft eine Bombe. Dann kommt der Andere dran und weiter geht der Spaß. Ziemlich schwachsinnig. Mal den ersten Schritt zu wagen und zu sagen: “Das ist mein Eindruck. So empfinde ich das. So kam das rüber. So habe ich das verstanden. Das tat weh. Das hat mich verletzt.” ist richtig wertvoll. Vor allem wenn man dabei bei sich selber bleibt und nicht mit dem Finger auf die andere Person zeigt und mit “Du hast … oder Du bist …” anfängt. Plötzlich öffnet sich dann das Gegenüber nämlich auch und man kann klären was Sache ist. Und man muss dabei nicht mal auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Viel eher kann man sich darauf einigen sich eben nicht einig zu sein aber nun mal keine Bomben mehr werfen zu wollen. Für mich war das irre befreiend und ich versuche mehr und mehr zu hinterfragen bevor ich mir ein Urteil bilde. Viele Missverständnisse basieren einfach auf Unwissen, Angst, Annahmen und unnötigen Erwartungen. Nicht umsonst sagt man “Die größten Enttäuschungen haben ihren Ursprung in zu großen Erwartungen”.

So. Das wars mit meinem Gedanken-Update. Danke fürs Lesen und da sein.

Bildquelle: pexels.com

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  • Reply
    Julia
    13. August 2018 at 20:52

    Liebe Eva,
    Vielen Dank für diesen schönen Text! Mich würden deine Erkenntnisse rund um Schwangerschaft und Geburt sehr interessieren! Ich bin vor nun 7 Monaten Mama geworden und hätte in der Rückschau auf die Schwangerschaft gerne noch stärker für meine Meinung eingestanden. Dies Selbstbewusstsein und auch die Kraft, wuchsen bei mir erst nach der Geburt meines Sohnes. Aber fürs nächste Mal, weiß ich dafür umso besser, was ich anders machen würde und lasse mich gerne inspirieren von Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie in eine ähnliche Richtung denken, wie ich.
    Deine Gedanken über Kommunikation haben mich auch sehr abgesprochen. Ich habe, angeregt durch das Buch „Liebe und Eigenständigkeit“ von Alfie Kohn, kürzlich gelernt, auf eben die Art und Weise Konflikte zu lösen die du beschreibst und damit eingefahrene Muster zu durchbrechen. Eine riesige Bereicherung für meine Ehe ;)
    Liebe Grüße, Julia

    • Reply
      Eva
      14. August 2018 at 22:33

      Liebe Julia! Erstmal Gratulation zum Nachwuchs. :-) Kann dich gut verstehen. Ich meine ich würde auch einige Dinge anders machen. Aber im Endeffekt ist alles so gelaufen wie es laufen sollte. Und danke für den Buchtipp. Das werd ich mir direkt ansehen. Ich schick dir liebe Grüße, Eva

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