Meine Erkenntnisse rund um die Geburt vom Mini Me

Ich hab schon mal über ein paar der Erkenntnisse rund um meine Schwangerschaft geschrieben. Dinge die ich gelernt hab, die mir mehr aufgefallen sind, schwer gefallen sind und mich vor neue Herausforderungen gestellt haben. Heute will ich ein paar ganz persönlichen Weisheiten rund um die Geburt mit euch teilen.

Es kommt immer anders als man denkt.

Das war vielleicht eine Herausforderung für mich. Anfangs. Mittlerweile glaub ich, dass mich genau diese Erkenntnis perfekt auf die Mutterschaft eingestimmt hat. Wir – das wäre die bessere Hälfte und ich – haben eine Hausgeburt geplant. Wir haben schon während der Schwangerschaft mit zwei Hebammen zusammengearbeitet, welche uns auch während der Geburt in den eigenen 4 Wänden begleiten sollten. Für mich war von Anfang an klar, dass ich mir eine Hausgeburt wünsche. Ich wollte für mich und das Baby einfach so wenig Interventionen wie möglich und das Ganze in entspanntem, vertrautem Ambiente und eben so “natürlich” wie möglich über die Bühne bringen. Nicht das an irgendeiner Form der Geburt etwas unnatürlich wäre. Wie auch immer.

Was man vorab wissen muss: Der Zeitraum für eine Hausgeburt ist begrenzt. Einige Wochen vor und nur 2 Wochen nach dem Geburtstermin ist diese rechtlich durchführbar. Dann muss man ins Krankenhaus. Nie hätte ich daran gedacht, dass sich unser Zwerg bis zum Schluss Zeit lassen würde. “Das Baby kommt bestimmt zum Vollmond” hieß es aus der Familie. Falsch gedacht. Das Baby –  stellt sich raus – hat seinen ganz eigenen Kopf und all die Allwissenden haben in Wirklichkeit genauso wenig Ahnung wie man selbst.

Der Geburtstermin rückte immer näher und schließlich war das Baby auch eine Woche nach dem Termin noch on the inside. Meine Nerven lagen blank. Mir war langweilig, alle Projekte waren abgeschlossen, etwas Neues anzufangen lohnte sich nicht. Ich wollte endlich mein Baby in den Armen halten und um ehrlich zu sein auch meinen Körper wieder für mich allein haben. So gern ich auch schwanger war, irgendwann ist genug. Ich fragte mich warum der Zwerg wohl noch drinnen sei. War alles in Ordnung mit ihr oder ihm? Ich wollte nicht ins Krankenhaus, die Wahrscheinlichkeit der Hausgeburt und einer künstlichen Einleitung rückte immer näher. Ich fing an mich im Kreis zu drehen. Regelmäßig flossen die Tränen. Wir versuchten jedes Hausmittelchen um den Zwerg zum Auszug zu bewegen: Fußbäder, ätherische Öle, Zaubergetränke, Wehentropfen und weiß der Kuckuck was noch. Und irgendwann hab ich dann resigniert. Man könnte auch sagen ich wurde gebrochen. Das Ganze war nunmal nicht zur Gänze mein alleiniges Erlebnis. Da hatte noch wer ein Mitspracherecht. Und so fing ich an mich mit dem Gedanken eines Krankenhausaufenthalts anzufreunden.

Wir wurden vor Ort vorstellig und vereinbarten einen Termin (42+1) zur Einleitung. Dem Baby wollte ich aber bis zum letztmöglichen Zeitpunkt geben. Ich war überzeugt davon, es würde schon wissen was es tut und einen guten Grund haben um noch on the inside zu sein. Außerdem gibt es ganz unterschiedliche Theorien (oder besser gesagt wissenschaftliche Erkenntnisse) dazu, ab wann eingeleitet werden soll und eben nicht. Und auch diese Informationen haben meine Entscheidung dahingehend beeinflusst dem Baby möglichst viel Zeit zu lassen. Ergo, planten wir die Einleitung am Ende der 42. Woche. Und siehe da. 42+0 machte sich unser Zwerg dann doch noch von ganz allein auf den Weg. Spät aber doch – nette Einstellung würd ich sagen. Ich bin gespannt ob sich diese Eigenschaft auch weiterhin durchzieht und unser Zwerg ein “gerade so” pünktliches Wesen bleibt.

Information ist alles – aber ich weiß jetzt, dass ich nichts weiß.

Ich muss zugeben. Ich war etwas voreingenommen. Die Geburt im Krankenhaus hab ich mir “klinisch” vorgestellt. Und sehr interventionslastig. Was sicher auch in vielen Fällen der Wahrheit entspricht. Ich hab viel gelesen und recherchiert, war über mögliche Vor- und Nachteile diverser Interventionen wie PDA und Co informiert. Insofern war eine Hausgeburt meine erste Wahl. Dennoch war ich auf einen möglichen Krankenhausaufenthalt gut vorbereitet. Ich wusste welches Krankenhaus die geringste Kaiserschnittrate hatte und das hab ich als meinen Backup Plan gewählt. Ich war mit einer Liste ausgestattet auf der ganz genau stand welche Interventionen für mich OK sind und welche nicht. So wollte ich beispielsweise unbedingt, dass die Nabelschnur nicht frühzeitig durchgeschnitten wird und vollständig auspulsieren darf. Es war mir wichtig nicht ständig Medikamente angeboten zu bekommen und wollte während der Geburt so mobil wie möglich sein. Ich fühlte mich gut vorbereitet – auf alle Eventualitäten. Und nachdem das Baby nunmal nicht rauswollte, hab ich mich mit dem Gedanken der Krankenhausgeburt auch angefreundet. Naja, und weil nunmal alles immer anders kommt als man denkt ….

Als sich der Zwerg schließlich von selbst auf den Weg machte, war ich erleichtert. Die Geburt begann zuhause. Die bessere Hälfte und ich waren die ersten Stunden alleine, was richtig schön war. Später kamen unsere Hebammen hinzu. Und als die Wehen schon richtig intensiv waren und ich geistig schon mehr im Nirvana als im Hier und Jetzt unterwegs war, da mussten wir überstellt werden. Ich wusste von vornherein das dies eine Möglichkeit sein würde, wenn es daheim zu brenzlig für Mama oder Baby werden würde. In unserem Fall war es nichts ernstes. Dennoch war der Transfer die richtige Entscheidung. Und siehe da … im Krankenhaus war es dann auch ganz anders als ich erwartet habe. Meine Liste konnte ich gleich wegpacken. Die Dinge die darauf standen, waren fast alle eine Selbstverständlichkeit für die Hebammen vor Ort. Sie waren unseren Wünschen gegenüber sehr respektvoll und alles in allem lief die Geburt zwar richtig lange aber reibungslos ab. Da hatten wir sicherlich auch etwas Glück um an die richtigen Menschen vor Ort zu geraten.

Mein Fazit? Ich finde es wichtig seine Optionen zu kennen und nicht blind zu vertrauen. Ich finde es wichtig Fragen zu stellen und zufrieden stellende Antworten zu fordern. Über all die Optionen rund um Schwangerschaft und Geburt wird man eher selten informiert. Viel ist Angstmacherei. Diese Zeit wird meiner Meinung nach leider sehr als “Krankheit” oder “Gefahr” betrachtet und somit geht der Aspekt der “Natürlichkeit” schnell verloren. Nicht umsonst steigen weltweit die Zahlen an (geplanten) Kaiserschnitten und zum Teil unnötigen Interventionen bei Geburten. Es gibt sogar Anästhesisten die der Ansicht sind jede Frau brauche bei der Geburt eine PDA. Welche möglichen Nachteile diese Dinge für Mama oder Baby haben können, wird selten erwähnt. Klar, muss es sein, können wir froh sein die moderne Medizin zu haben. Das steht außer Frage. Dennoch meine ich gebären Frauen schon seit … naja, Anbeginn der Zeit und noch lange bevor es (vorwiegend) Männer in weißen Kitteln gab die uns sagten wie es denn zu laufen hätte.

Und trotz meines Bestrebens informiert zu sein, hab ich gelernt auch einfach mal zu vertrauen und ohne Erwartungen in eine Sache zu gehen. Für mich war die Phase der Geburt eine sehr verletzliche Phase. Man ist mehr oder weniger ausgeliefert und muss dem Netzwerk das man um sich geschart hat vertrauen um sich entspannen zu können. Durch die Überstellung ins Krankenhaus hab ich gelernt – trotz meines Wissens – wildfremden Menschen zu vertrauen, dass sie wissen was sie tun und zu vertrauen, dass alles aus einem Grund geschieht. Die Erfahrung im Krankenhaus war nicht weniger wertvoll als daheim und ich hab mich irre gut aufgehoben gefühlt. Etwas das ich nicht erwartet hätte. Und wieder hat mich diese Erfahrung – denke ich – gut auf das Mama sein vorbereitet. Da kann man auch nicht alles kontrollieren, planen und muss gelegentlich schon mal vertrauen, dass alles gut wird.

Überraschungen sind genial.

Wir – die bessere Hälfte und ich – wussten nicht ob unser Baby ein Männlein oder Weiblein wird. Und ich empfinde diese Entscheidung immer noch als eine der besten meines Lebens. Klar. Jeder ist da unterschiedlich. Aber ich bin grundsätzlich eine sehr neugierige Person. Und anfangs wollte ich es auch unbedingt wissen. Der Herr des Hauses wollte es aber fix nicht wissen. Was also tun? Ich wusste, dass es schier unmöglich für mich ist das Ergebnis zu wissen ohne mit ihm darüber sprechen zu dürfen. Also hab ich eben auch beschlossen unwissend zu bleiben. Und das war im Endeffekt so richtig toll. Irgendwie finde ich betrachtet man das Baby so viel eher als neutrale Person. Ganz ohne Erwartungen und Vorurteile. Ganz ohne rosa oder blau. Ohne Spielzeugauto oder Puppenstube. Man nimmt es eben so wie es ist. Mit all den Charakterzügen und sonstigen Eigenschaften – egal ob weiblich oder männlich. Ich fand das sehr schön.

11 kurze Fakten bzw. persönliche Weisheiten … 

Man verliert jegliche Hemmungen. Ich werd nicht ins Detail gehen ABER es ist einem ziemlich egal wer einen nackt sieht und ob man es während einer Wehe rechtzeitig zur Toilette schafft. Who give´s a sh*t?! Im wahrsten Sinne. Man quetscht schließlich ein Kind aus sich raus. Da hat man wichtigeres zu tun als an Etikette zu denken.

Es tut weh. Aber man vergisst den Schmerz tatsächlich ziemlich schnell. Klar. Sonst würde keine Frau ein zweites Kind bekommen.

Wir Frauen können weitaus mehr als wir uns oft zutrauen. Und ich finde wenn man eine Geburt überstanden hat, übersteht man alles. Mamas haben Superkräfte.

Hausgeburten sind toll. Man muss sich aber im Klaren sein, wird man wie wir überstellt, kehrt man zu einem CSI Tatort nach Hause zurück.

Das persönliche Support Netzwerk ist essentiell. Ohne die bessere Hälfte hätte ich das nicht so leicht überstanden. Papas oder Partner sind ebenso toll und deren Rolle in diesem ganzen Prozess wird oft unter Wert verkauft.

Alles verheilt. #justsayin

Ob nun mit oder ohne Intervention. Raus müssen sie alle. Und das ist das Einzige das zählt.

Und falsch kann man als Mama hier gar nichts machen. Insofern finde ich es ganz wichtig auch nicht zu hart mit sich selbst zu sein. Man hat (mit Hilfe) ein Kind produziert, seinen Körper 9 Monate geteilt und einen Menschen in sich herangezogen und dann hat man sich entweder den Bauch aufschneiden lassen oder das nicht wirklich ganz so kleine Wesen durch eine Mini-Öffnung rausgequetscht. Cooler gehts nicht. Der Rest ist Nebensache.

Ich mache immer wieder die Erfahrung neues zu lernen und dann oftmals vergangene Handlungen zu hinterfragen bzw. zu bereuen weil ich doch anders handeln hätte können – jetzt wo ich mehr weiß. Bringt sich nichts und macht einen irre. “Do the best you can until you know better. Then when you know better, do better”. Maya Angelou. Kann ich nur zustimmen und muss mich selbst immer wieder daran erinnern.

Eine Geburt ist zu 50% die Erfahrung von Mama und zu 50% die Erfahrung von Baby. Ich finde es schön, sich das vor Augen zu führen. Man ist nicht allein in dem Ganzen und das verbindet.

Ich glaube man erfährt die Geburt die man benötigt um zu wachsen, sich zu entwickeln, an seine Grenzen zu stoßen und stärker aus dem Ganzen rauszugehen als zuvor.

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2 Kommentare

  • Reply
    Teresa
    8. Oktober 2018 at 22:30

    Danke für’s Teilen Eva! Sehr spannende Einblicke und tut gut zu lesen!
    Sehr wertvoller Erfahrungsschatz, den du da gesammelt hast :)

    • Reply
      Eva
      10. Oktober 2018 at 18:00

      Danke liebe Teresa! GLG :)

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