Q&A zu unserer Darmgesundheit

Nach meinem Vortrag zu unserem Darm bei UNDER THE WALNUT TREE hatten unsere TeilnehmerInnen die Chance ein paar Fragen zu stellen. Das waren so viele Fragen, dass ich mir gedacht habe ich beantworte offene Fragen für deren Beantwortung vor Ort keine Zeit mehr war hier am Blog – so haben selbst all jene die nicht bei DIGEST dabei waren etwas davon.

Ich hab schon öfter mal erwähnt, dass der Darm im Grunde unser 2. Gehirn ist. Über 100 Trillionen Bakterien hausen darin was uns gelinde ausgedrückt zu einem Wesen macht, welches zu 90% aus diversen Organismen und 10% menschlichen Zellen besteht. #thinkaboutit Ergo, kann man sich durchaus vorstellen warum die Pflege dieses Organs so wichtig ist. Mein Vortrag drehte sich somit um die Funktionen des Darms, um Lebensmittel welche den Darm schädigen und um Tipps, Tricks und Protokolle die uns in der Heilung und Pflege dieses wichtigen Organs unterstützen.

Frage No. 1: Wie beeinflusst die natürliche Geburt die Darmflora?

In meinem Vortrag hab ich angeschnitten, dass die Bakterienzusammensetzung des Darms sich lt. neuerster Studien schon während unseres Aufenthalts im mütterlichen Bäuchlein bildet. Sprich, hat unsere Mutter eine gesunde Darmflora wird diese bereits während der Schwangerschaft auf uns übertragen. Das bedeutet somit auch, dass eine darmfreundliche Ernährung der Mutter vor und während der Schwangerschaft unglaublich wichtig ist und nicht verachtet werden sollte. Vor allem aber während der natürlichen Geburt nehmen wir viele wichtige Bakterien von unserer Mutter auf. Werden wir über den vaginalen Kanal geboren, sind wir im direkten Kontakt mit der vaginalen und intestinalen Flora unsere Mutter und nehmen so diverse Bakterien über den Mund auf. Kinder die somit auf natürliche Art und Weise zur Welt kommen haben auch eine Darmflora die mit den üblichen guten Bakterien wie Laktobazillen besiedelt ist. Werden Kinder via Kaiserschnitt geboren, beinhaltet ihre Darmflora oftmals potentielle Krankheitserreger welche sich eigentlich nur auf der Haut und im Krankenhausumfeld finden lassen. Warum ist das relevant? Weil die Geburt wie Kaiserschnitt vor allem in aktuellen Studien immer mehr mit Krankheiten wie Asthma, Autismus, Allergien und Hautproblemen sowie diversen entzündlichen Darmerkrankungen wie Zöliakie sowie Typ 1 Diabetes in Verbindung steht. Oftmals lässt sich ein Kaiserschnitt nicht verhindern – eh klar und Mamas sollten sich dann natürlich auch nicht zu viel Kopf machen. ABER gerade dann ist eine lange Stillperiode besonders wichtig, denn auch diese versorgt den Säugling mit wichtigen Bakterien die vor allem für einen gesunden Darm essentiell sind. Und unser Darm – so hat es der Vater der Medizin schon gesagt – kann Sitz aller Krankheiten sein. Relevant ist diese Info vor allem wenn man weiß, dass die “Nachfrage” nach Kaiserschnitt Geburten seit 1996 um rund 48% gestiegen ist (in den USA). Dieser Trend ist somit nicht unbedingt einer welchem man hinterher rennen sollte. Wen dieses Thema genauer interessiert, der könnte hier eine recht interessante wissenschaftliche Studie lesen.

Frage No. 2: Sind Löcher im Darm komplett heilbar? 

Unseren Darm bzw. unsere Verdauungsorgane kann man sich wie ein langes Rohr vorstellen welches durch unseren Körper läuft. Die dazugehörige Darmschleimhaut ist dafür zuständig für uns wichtige Bestandteile aus unserer Nahrung aufzunehmen und unseren Körper damit zu versorgen. Nicht so tolle Bestandteile welche wir konsumieren gelangen dank der Intelligenz unserer Darmwand auch nicht in unseren Körper. Außer natürlich besagte Darmschleimhaut ist löchrig. Das sogenannte “Leaky Gut” Syndrom führt also dazu, dass Toxine, Proteine wie Gluten oder unverdaute Nahrungsbestandteile in unseren Blutkreislauf gelangen, dort allerlei Unfug anrichten und eine ziemliche Immunreaktion unseres Körpers zur Folge haben. Immer mehr Menschen sind davon betroffen und ein Leaky Gut wird vermehrt mit diversen Erkrankungen wie Zöliakie, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien, Schilddrüsenproblemen oder auch einem geschwächten Immunsystem, Depressionen, Kopfschmerzen sowie ständiger Müdigkeit in Verbindung gebracht. Stress, Antibiotika, eine Dysbalance der Bakterien in unserer Darmflora und auch eine schlechte Ernährungsweise mit viel Gluten und Zucker können dieses Krankheitsbild zur Folge haben. Sorgt man aber dafür bestimmte Lebensmittel aus der Ernährung zu streichen und konzentriert sich gezielt und konsequent auf die Pflege und Heilung des Darms, kann ein Leaky Gut geheilt werden – JA. Tipps dazu habe ich in meinem Vortrag bei UTWT angesprochen, gibt es in meinen Trainings mit Klienten und auch hier am Blog finden sich einige Infos zu diesem Thema.

ZA

Frage No. 3: Sind Omega 6 Fettsäuren schlecht? Und welches Öl soll man zum Kochen nehmen?

Früher war unsere Ernährungsweise voller wichtiger Omega 3 Fette und wir haben relativ wenig Omega 6 Fettsäuren konsumiert. Heute ist es genau umgekehrt. Seit der industriellen Revolution konsumieren wir unglaublich viel Omega 6 vor allem in Form von Pflanzenölen und auch aufgrund der Fütterung mit Getreide steckt in heutigen Fleischprodukten viel mehr Omega 6. Diverse Pflanzenöle werden nicht nur in zahlreichen industriell hergestellten Lebensmitteln verarbeitet sondern auch der Restaurantbesuch wird von ihnen dominiert. Dabei werden gewisse Öle auch noch stark erhitzt, und verlieren dadurch ihre Stabilität was sie zu Lieferanten von freien Radikalen werden lässt. Eine Ernährungsweise mit viel Omega 6 Ölen und wenig Omega 3 Ölen fördert Entzündungsherde in unserem Körper. Viel Omega 3s und wenig Omega 6 Fettsäuren hingegen wirken entzündungshemmend. Was tun? Idealerweise achtet man auf ein ausgewogenes Verhältnis von Omega 3 und 6 Fettsäuren (viele Lebensmittel enthalten zum Beispiel beide Fettsäuren), limitiert den Konsum industriell hergestellter Lebensmittel, schwingt selbst den Kochlöffel und greift regelmäßig zu Omega 3 Lieferanten wie Fisch, Fisch- oder Krillöl und Algenprodukten sowie biologischen Tierprodukten und unter anderem Leinsamen. In der Küche kocht man idealerweise mit Olivenöl, Kokosöl und Ghee sowie Schmalz – alle sehr stabil, selbst wenn es um höhere Temperaturen geht. Andere Öle wie Sonnenblumen-, Distel- oder Sojaöl sind reich an Omega 6 Fettsäuren aber nicht notwendigerweise schlecht – vor allem wenn sie biologisch und schonend gewonnen werden und ebenso schonend verwendet werden. Auf die Menge kommt es an und wie immer gilt auch hier: so natürlich wie möglich und man kann im Grunde nichts verkehrt machen.

Frage No. 4: Warum sind Samen so gut? 

Ob Chia -, Lein- oder auch Basilikumsamen – sie alle sind lösliche Ballaststoffe (neben Agar Agar, Linsen, Hafer, Kürbis, Karotten, Brokkoli etc.) und sogenannte Füllstoffe. Sie regen die Verdauung an und dienen als freundliche Bakteriennahrung. Außerdem werden sie auch von unseren Bakterien im Darm fermentiert und sind so essentiell für eine optimale Darmgesundheit und Stabilität der Darmwand. Weiters bilden unsere Darmbakterien aus eben diesen löslichen Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren wie Butryate welche einen entzündungshemmenden Effekt auf unseren Körper haben, die Insulin Sensitivität erhöhen können und bei der Behandlung diverser entzündlicher Darmerkrankungen helfen können. Für Menschen mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder diversen Darmbeschwerden sind lösliche Ballaststoffe oft besser verträglich und sogenannte unlösliche Ballaststoffe (welche dazu dienen das Stuhlvolumen zu vergrößern) können im Übermaß schonmal zu Verdauungsproblemen führen. Letztere wären übrigens Weizen, Hirse, Getreide im Allgemeinen, Süßkartoffeln, die Schale von Äpfeln, Salate etc. Hat man allerdings keine Probleme sollte man gleichermaßen (zumal viele Lebensmittel lösliche und unlösliche Ballaststoffe enthalten) und reichlich lösliche sowie unlösliche Ballaststoffe in Form von viel frischem Gemüse, Getreide oder auch Nüssen und Samen konsumieren ohne sich groß einen Kopf zu machen.

Frage No. 5: Obst und Gemüse bei Fructose Intoleranz? 

Ein Tipp von mir bei meinem Vortrag war viel Obst und Gemüse zu essen. Dabei soll der Fokus allerdings auf Gemüse liegen und nur wenig Obst konsumiert werden. Das Problem mit dem Obst ist, dass es oft sehr viel Fruktose enthält – vor allem wenn es sich um tropische Früchte oder dergleichen handelt. Meine Devise beim Obst ist die Folgende: saisonal, regional – im Grunde so wie unsere hier angesiedelten Vorfahren. Fragt mal eure Oma wann sie zum ersten Mal eine Mango gesehen hat?! Sprich ab und an mal ein paar Beeren, vielleicht mal ein Apfel und eine Marille und das wars in meinem Fall. Gerade bei einer Fruchtzucker Unverträglichkeit würde ich auf diese Aspekte beim Obst achten. Jeder der eine Unverträglichkeit hat weiß, dass es hier viel ums selber ausprobieren geht. Wenn ich Zucchini vertrage, heißt das nicht, dass der nächste sie auch verträgt. Zusätzlich würde ich obigen Punkt zu den Ballaststoffen beachten und vor allem mal einen Blick auf die sogenannte FODMAPS Ernährungsweise werfen. Persönlich kann ich mit meiner Fruktose Intoleranz zum Beispiel mehr Obst und vor allem Gemüse essen wenn ich Gluten aus meiner Ernährung streiche. Eine gezielte Darmheilung und ein anschließender Aufbau mit guten Bakterien kann ebenso Wunder wirken. Braucht Zeit, lohnt sich aber.

Frage No. 6: Jemand fragte außerdem noch danach ob Vollkornprodukte schlecht sind oder nicht.

Bei diesem Thema kann dieser Beitrag behilflich sein. Zur Ergänzung: Beim Vollkorn ist das ganze Korn enthalten – inklusive Mineralien und Vitaminen und Ballastoffen. Bei weißem Mehl beispielsweise werden Randschichten entfernt und nur der Körper des Korns welcher aus Stärke besteht wird verarbeitet. Deshalb ist Weißmehl zum Beispiel auch eine schnellere Energiequelle. Ballaststoffe im Vollkornmehl sorgen nämlich dafür, dass wir länger davon zehren können und geben langanhaltende Energie. Persönlich bin ich ein Fan von glutenfreien Getreidesorten. Beim allgemeinen Vollkornbrot aus Roggen und Co kommt es dann im Grunde auf die Zubereitung an. Idealerweise konsumiert man Sauerteig welcher durch Bakterien “vorverdaut” wurde. Dadurch wird auch die Phytinsäure abgebaut. Letztere ist in der Randschicht des Korns enthalten und kann beim Menschen zu Verdauungsbeschwerden führen. Sauerteigbrot ist also meist ganz gut verträglich – selbst bei Gluten Sensitivität. Brot sollte im Allgemeinen lange gehen dürfen um seine volle Kraft zu entfalten. Wird der Teig zu schnell verarbeitet, kann das Getreide nicht quellen und sein Potential nicht entfalten. Mein Favorit im Bereich Dinkel zum Beispiel ist angekeimtes Brot. Durch diesen Prozess wird das Getreide eingeweicht und dadurch wird die für uns Menschen oft schwer verdauliche Randschicht des Korns entfernt. Im Anschluss lässt man das Getreide dann noch keimen und verarbeitet es erst danach, was zu vielen tollen Vitamine und einer besseren Verträglichkeit führt.

Frage No. 7: Warum wird Brot braun wenn man Zucker hinzu gibt? 

Wir haben darüber gesprochen, dass Brot oftmals Zucker hinzugefügt wird. Vor allem wird Dinkelbrot gerne Zucker beigefügt weil das Korn eigentlich weiß ist und in unserer Gesellschaft weißes Mehl mit schlechtem Mehl assoziiert wird. Ergo, wird Zucker hinzugefügt um einen Bräunungseffekt zu erzielen. Tipp No. 1: Immer Inhaltsangaben lesen! Bei besagtem Prozess handelt es sich um die sogenannte Maillard Reaktion. Diese sorgt dafür, dass Aminosäuren mit Zucker reagieren und dieser Prozess eine bräunliche Farbe hervorruft. Bestes Beispiel ist wohl die Laugenstange. Dieser Bräunungseffekt tritt auch in Lebensmitteln auf ohne ihnen künstlich Zucker beizusetzen. So zum Beispiel bei jeglichem Röstgemüse, Grillfleisch oder Backwaren. Gesundheitsschädlich und schädlich für die Darmgesundheit wird dieser Prozess erst ab sehr hohen Temperaturen.

Frage No. 8: Heliobacter Pylori und Gastritis?

Wir haben außerdem darüber gesprochen, dass eine Gastritis in vielen Fällen durch das Bakterium Heliobacter Pylori verursacht wird. Die Frage ob diese Erkrankung nur mit Antibiotikern zu lösen ist haben wir vor Ort durch eine persönliche Erfahrung lösen können. Ein Teilnehmer hat davon berichtet auch ohne Medikation und mit alternativen Methoden Verbesserung verspürt zu haben. Ich hab jetzt nochmal ein bisschen recherchiert und diesen Artikel hier entdeckt. Meine Conculsio: Es kann nicht schaden es vor einer radikalen Therapie mal mit natürlichen Helferlein wie Knoblauch und Oregano (antibakteriell), Grüntee, Propolis, Honig und Probiotikum zu versuchen. Hier noch ein Link zu einem Erfahrungsbericht. Klarerweise sollte aber in solchen Fällen auch immer ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Frage No. 9: Kann man chronische Blasenentzündung auf Probleme mit dem Darm zurückführen? Spielen Bakterien eine Rolle? 

Ich hab recherchiert und stellt sich raus: JA! Bakterien spielen eine riesige Rolle. Chronische Blasenentzündungen werden außerdem oft durch Darmbakterien ausgelöst. Neben anderen Ursachen können bestimmte Darmbakterien in die Blase gelangen und dort zu Beschwerden führen. Ursache dafür dass die Bakterien überhaupt erst dort hingelangen ist oft eine Abwehrschwäche. Meine Recherchen haben ergeben, dass eine basische, zuckerfreie, vitaminreiche Ernährungsweise sowie ein Fokus auf die Darmgesundheit gute Ansätze sein können. Hier ein super Artikel dazu. Mehr Informationen zu diesem Thema sollte aber ein Arzt geben können.

Frage 10: Was sind einfache Kohlenhydrate und was genau ist basisch? Dazu habe ich je schon einen Bericht geschrieben der weiterhelfen kann.

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2 Kommentare

  • Reply
    Anni
    2. Mai 2016 at 13:21

    Hallo Eva,

    eine Frage zu den Omega 3 Fettsäuren: Nimmst du da nur etwas zum Kochen oder supplementierst du auch? Ich nehme regelmäßig diese Krill Öl Kapseln von Sanasis (http://sanasis.ch/de/alle-produkte/d-bis-h/cat-all-krill), würde aber gerne wissen, ob du evtl. eine bessere Alternative hast?

    Danke und Gruß aus Tirol,
    Anni

    • Reply
      Eva
      2. Mai 2016 at 13:26

      Hallo Anni!

      Nein, Omega 3 nehme ich zusätzlich ein. Speziell im Bereich der Darmheilung ist das nämlich spitze – ganz abgesehen davon, dass es auch fürs Gehirn super ist. :) Ich nehme aktuell die Omega 3 Fischöl Kapseln von PURE – will aber demnächst auch Krillöl probieren. Das ist denk ich die TOP Option im Bereich Omega 3. Sanasis kenn ich jetzt nicht persönlich – macht aber keinen schlechten Einruck auf mich. Liebe Grüße nach Tirol. Eva

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