Schließt der gesunde Einkauf den günstigen Einkauf aus? I don´t think so! Ich darf vorstellen: das Salzkörndl, eine FoodCoop als Alternative zum Supermarkt!

Ich bin immer auf der Suche nach Möglichkeiten um günstiger und nachhaltiger einzukaufen und dabei die Qualität der Ware nicht aus den Augen zu verlieren. Das “Salzkörndl” hier in Salzburg ist eine FoodKoop und mit Sicherheit so eine Option und ich fand meinen Besuch dort ziemlich spannend. Warum eine Gemeinschaft wie das Salzkörndl so toll ist, möchte ich euch heute erzählen.

Die Fakten

Eine FoodCoop (Food Cooperative) ist ein Zusammenschluss aus verschiedenen Personen oder auch Haushalten die nachhaltig, fair und qualitativ hochwertig hergestellte Produkte direkt von den Produzenten beziehen, den Kontakt mit diesen pflegen und das Ganze auch noch selbst organisieren. Die Preise sind dementsprechend fair und im Grunde ist es als hätte man einen ganz persönlichen Supermarkt für sich selbst und ein paar Freunde. Jeder kann also nicht dort einkaufen. Eine FoodCoop ist ein Gemeinschaftsprojekt in dem jedes Mitglied aktiv mitarbeitet. Aber keine Sorge! Wie sich rausstellt ist das gar nichts so viel Aufwand. Ganz abgesehen davon: die netten Gespräche und Freunde die man in so einer Kooperative findet, sind das bisschen Arbeit – würd ich mal behaupten – allemal wert. Achja, sogenannte Speisereisen gibt es auch. Viele FoodCoops reisen gemeinsam zu den Produzenten, kosten sich durch das Angebot und blicken hinter die Kulissen von heimischen Betrieben. Das wiederum sorgt für absolute Transparenz und für Bewusstseinsbildung im Umgang mit unseren Lebensmitteln.

Wie kommt man denn auf sowas überhaupt?

Schon im 19. Jahrhundert gab es sogenannte Konsumgenossenschaften – etwas ganz ähnliches wie FoodCoops. Heute sind diese im Grunde ein Statement. Sie stehen für Kritik am gängigen Lebensmittel- und Agrarsystem. Dieses wird heute sehr stark von Supermärkten und Agrarindustrie dominiert und ist geprägt von industrieller Landwirtschaft, langen Transportwegen und Ungleichheiten. Man muss nur mal die eigenen Großeltern fragen wo sie in ihrer Jugend immer eingekauft haben. Die Antwort wird mit Sicherheit nicht den Namen einer Supermarktkette beinhalten sonder viel eher: Beim Nahversorger Pospischil um die Ecke! Leider gibt es heute kaum noch solche Nahversorger – sie sind schlichtweg ausgestorben. Mit deren Ende hat sich eine Kluft zwischen Konsument und Produzent aufgetan die dazu beiträgt, dass uns in der heutigen Zeit oftmals das Bewusstsein zu unseren Lebensmitteln fehlt. Wir sind beleidigt wenn es keinen Spitzpaprika im Supermarkt gibt ohne zu verstehen, dass die Ernte aufgrund der schlechten Wetterbedingungen einfach mies war. Wir kaufen keinen Kürbis nur weil der ein paar Knubbel oben auf hat ohne zu verstehen, dass die nicht schlecht für uns sind, sondern besagter Kürbis eben ein bisschen Hagel über sich ergehen lassen musste.

Das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert.

Außer natürlich man bestimmt den Markt. Und das tun Supermarktketten heutzutage. Sie entscheiden darüber wie ein Produkt aussehen muss um dem Standard des Otto-Normalverbrauchers zu genügen. Wusstet ihr, dass die schönen Riesen-Zucchini zum Teil im Müll landen weil im Supermarkt nur Platz für die kleinen schlanken Zucchini ist? Supermarktketten lassen schon mal die Mango im tiefsten Winter aus der letzen Ecke in Asien einfliegen obwohl dies unnötig Ressourcen verschwendet und die kühlende Mango unserer Verdauung im Winter sowieso nicht gut tut. Die Bedingungen unter denen Lebensmittel angebaut werden, die (wenn überhaupt) Mindestlöhne die die Feldarbeiter bekommen und die Giftstoffe die sie dank konventionell angebauter Ware und der dafür verwendeten Spritzmittel einatmen müssen, sind der Supermarktkette und dem Durchschnittsbürger eher egal. Auf der anderen Seite werden diese Misstände ja auch nicht gerade propagiert. Ganz abgesehen davon, man kann die Schuld auch nicht nur den Supermarktketten in die Schuhe schieben – ein paar engagieren sich immerhin schon mit der ein oder anderen Strategie in den Bereichen Nachhaltigkeit und Bewusstseinsbildung. Wir Konsumenten bestimmen dank dem Prinzip “Angebot und Nachfrage” immerhin den Markt mit. Und genau deshalb finde ich Ideen wie FoodCoops – die Nahversorger unserer Zeit – eine extrem tolle Sache. Sie schaffen wirklich Bewusstsein, ihre Vorgehensweise hat Hand und Fuß und sie bieten vor allem heimischen (Klein)-Bauern die am internationalen Dumping-Preismarkt nicht mehr bestehen können oder keine Massen liefern können, eine Möglichkeit weiterhin zu produzieren. Auch ihr über Generationen weitergegebenes Wissen wird so bewahrt, wir Konsumenten machen uns weniger abhängig vom internationalen Markt und sorgen für nachhaltige Ernährungssicherheit im eigenen Land. Win-Win, würde ich sagen.

Ein Blick hinter die Kulissen

Heute gibt es fast schon überall FoodCoops. In den USA beispielsweise gibt es mittlerweile schon so große Gemeinschaften, dass sogar Angestellte nötig sind. Auch in Österreich tun sich immer mehr Leute zusammen. Hier in Salzburg gibt es bereits drei FoodCoops. Das Beste daran? Jeder kann mitmachen.

Ich hab mir das Salzkörndl in der Salzburger Innenstadt mal näher angesehen. Die liebe Isabella ist dort bereits seit einiger Zeit Mitglied und hat sich Zeit genommen und mir ein paar Fragen beantwortet.

Mein erster Eindruck: Basis dieser Gemeinschaft ist definitiv das Bewusstsein für gesunde Lebensmittel und einen nachhaltigen Lebensstil.

Das Salzkörndl besteht aus einem einzigen Raum voller Gemüsekisten, ein paar Regalen mit Wein, Honig sowie großen Kübeln voller Getreide und einem Kühlschrank. Ziemlich unkompliziert. Gegründet wurde das Salzkörndl von einer Handvoll Gleichgesinnter und heute umfasst die Gemeinschaft schon rund 60 Mitglieder. Mitglied wird man eigentlich recht einfach. Man meldet sich an, lernt sich kennen, bekommt eine Einschulung, zahlt einen monatlichen Beitrag von 5 Euro und übernimmt eine Aufgabe in der Organisation des Ladens. Je nachdem wie die eigene zeitliche Planung aussieht, kann man die Abholung der Ware beim Bauern übernehmen, sich im Marketing oder der Buchhaltung engagieren oder man übernimmt gelegentlich den Ladendienst. Aufgrund der hohen Anzahl der Mitglieder kommt man nur ab und an mal bei den anfallenden Aufgaben dran und kann ansonsten eine ziemlich ruhige Kugel schieben.

Dem Salzkörndl wurde bisher immer ein Raum der ÖH (Österreichischen HochschülerInnenschaft) kostenlos zur Verfügung gestellt. Bald muss die Gemeinschaft aber umziehen. Wer an dieser Stelle eine Idee für günstige Räumlichkeiten hat, der möge doch aufzeigen und sich zu Wort melden! Für die restlichen Fixkosten wird jedenfalls der Mitgliedsbeitrag verwendet. Durchaus leistbar das Ganze!

An sein Essen kommt man im Übrigen folgendermaßen: einmal die Woche bekommt man als Mitglied vom Salzkörndl eine E-Mail und kann ganz einfach über das Internet die gewünschten Produkte bestellen. Die Produktpalette ist umfangreich und reicht von Obst, Gemüse und Getreide über Käse und Joghurt bis hin zur Zahnbürste aus Bambus. Jeden Freitag ist der Laden offen, mit frischer Ware befüllt und die vorbestellten Produkte können abgeholt werden. Aufgrund dieses Systems, fällt kaum Abfall an. Hinzukommt, dass sich jedes Mitglied natürlich auch die eigene Verpackung organisiert. Als ich das Salzkörndl besucht habe, fand ich einige Damen vor die Getreide in Einweckgläser abfüllten und mit den eigenen Einkaufskörben wieder raus spaziert sind. Abgerechnet wird völlig Bargeldlos und auf Vertrauensbasis. Bisher scheint das super zu funktionieren. Man lädt Geld auf ein Konto, holt die bestellte Ware ab, notiert dies in einem Buch und besagtes Geld wird einem dann schließlich gegengerechnet.

Isabella erzählt mir, dass sie einen Griechen als Mitglied haben und der kümmert sich regelmäßig um die Lieferung von original Olivenöl aus der Heimat. Wann kann man das bitte im Supermarkt behaupten? Im Salzkörndl denkt jeder mit. Geht der Bestand an Bio-Wein aus oder ist der Kühlschrank zu reinigen, dann wird das mitgeteilt und in Zusammenarbeit geregelt. Grundsätzlich ist der Einkauf im Salzkörndl auch billiger als im Supermarkt – und das obwohl alles Bio-Ware ist. Einen Chef gibt es keinen. Sie arbeiten alle zusammen, jeder hat so seine Aufgaben und einmal im Monat gibt es ein Plenum in dem gemeinsam Entscheidungen getroffen werden.

Fazit

Ob FoodCoop, Bauernmarkt, Ab Hof Laden, Solidarische Landwirtschaften oder kleine Bio-Läden: sie alle bieten uns die Möglichkeit bewusster zu konsumieren und das ist spitze. Ganz abgesehen davon, dass uns durch FoodCoops und ähnliche Institutionen ein kostengünstiger Zugang zu gesunden, biologischen, regionalen Lebensmitteln ermöglicht wird. In vielen Teilen Österreichs oder Deutschland gibt es mittlerweile solche Einkaufsmöglichkeiten. Man muss sie mit Hilfe von Google nur ausfindig machen, seine Gewohnheiten ein bisschen ändern und bekommt dafür tolle Produkte zu fairen Preisen und obendrauf lernt man auch noch Gleichgesinnte kennen.

FoodCoops in Salzburg:

Salzkörndl, Innenstadt

Bonaudelta, Lieferung

Morzgut, Morzg

Die Plattform FoodCoops bietet außerdem noch mehr Infos zum Thema und listet die Kooperativen in ganz Österreich auf. Sollte es in eurer Region noch keine FoodCoop geben, dann gründet einfach selber eine. Eine Anleitung dazu gibt es hier.

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