Schon mal den Blick in die Toilette gewagt? Tipps zur Stuhlanalyse

Der erste Beitrag seit der Baby-Pause und dann gleich so ein Thema! Okay. Ich weiß, wer will ihn schon wagen. Den Blick in die Toilette. Unter uns – es lohnt sich. Warum will ich euch heute erklären. Erstmal, jeder von uns tut es (hoffentlich) und niemand spricht darüber (völlig OK). Dennoch schadet es nicht informiert zu sein. Man muss seine Erkenntnisse ja nicht unbedingt mit der Familie am Essenstisch diskutieren. Ein Blick in die Toilette und – wenn man so will – zur Stuhlanalyse ist einer der besten Indikatoren darüber wie es um uns steht. Eine Studie aus dem Jahr 2015 beispielsweise hat ergeben, dass die Konsistenz unseres Stuhl stark mit der Gesundheit unseres Darms und der Vielfalt unserer Darmbakterien in Verbindung steht. Unsere Darmgesundheit ist nun mal essentiell. Unser Darm steht in starker Verbindung mit unserem Gehirn, Immunsystem, der Haut, unserer Fähigkeit mit Insulin umzugehen und, und, und. Spätestens nach dem Erscheinen des Buchs “Darm mit Charme” sollte die Relevanz dieses Organs common knowledge sein. Ist aber nicht so als hätte Hippokrates schon vor vielen, vielen, vielen Jahren gemeint, dass Gesundheit und Krankheit gleichermaßen im Darm beginnen. Ergo, ist so ein kleines aber feines Tool-Kit zur Stuhlanalyse um selbst ein bisschen mehr über seine Darmgesundheit zu erfahren ziemlich wertvoll. Und hierzu gibt es einige Fragen die man sich stellen kann und so dank Selbstanalyse durchaus wertvolle Antworten erhalten könnte.

Erstmal: Woraus besteht unser Stuhl eigentlich?

Zum größten Teil aus Wasser. Das ist auch gut so um Stoffwechselreste optimal abtransportieren zu können. Die festen Bestandteile bestehen aus Bakterien die ihre Aufgabe erfüllt haben und nun unseren Darmtrakt verlassen können, aus Pflanzenfasern welche unverdaulich sind und verschiedenen Stoffen die unser Körper loswerden will (Cholesterin zum Beispiel).

Stuhlanalyse 1×1

Wie oft? 

1 mal täglich sollte schon drinnen sein. 1-3 mal – so zeigen Studien – deutet auf einen gesunden Stuhlgang hin. Unser Stuhl ist ein Abfallprodukt. Sprich, es muss raus. Nicht zuletzt um Toxine sondern auch überschüssige und nicht mehr benötigte Hormone und Co loszuwerden. Werden bspw. Hormone wieder aufgenommen kann das zu Dysbalancen führen. Ein regelmäßiger Stuhlgang ist also essentiell. Wie oft wir auf die Toilette müssen, ist auch ein Anzeichen dafür ob wir Nährstoffe aus unserer Nahrung optimal aufnehmen. Zu oft kann hier wieder kontraproduktiv sein und darauf hindeuten, dass unser Körper nicht genug Zeit hat um besagte Nährstoffe aufzunehmen.

Wie lange? 

Viele von uns gehen samt Handy oder Zeitung auf die Toilette. Alles schön und gut. Dennoch sollte der gesunde Stuhlgang ziemlich schnell über die Bühne gehen und wenig Anstrengung und Toilettenpapier erfordern. Müssen wir zu hart arbeiten, kann das beispielsweise zu Hämorrhoiden führen.

Welche Farbe?

Als normal wird alles im Bereich braun bis gelbbraun bezeichnet. Die Farbe kommt aufgrund des Abbaus unserer Blutkörperchen zustande.

Spinatkonsum kann die Farbe grün zur Folge haben. Immer noch völlig normal.

Gelb kann Ursache eines Enzymmangels sein, welcher den Blutabbau einschränkt. Und das erklärt den mangelnden Farbstoff im Stuhl. Auch ein Problem mit den Darmbakterien könnte Ursache für hellbraunen bis gelblichen Stuhl sein. Alles halb so wild – ein kurzer Checkup beim Arzt bringt alles wieder in Schwung.

Schwarz oder Rot kann ein Indikator für geronnenes oder frisches Blut sein. Bei Hämorrhoiden ist etwas rot zu erwarten. Ansonsten ab zum Arzt. Übrigens! Auch ein Konsum von Rote Bete kann eine solche Farbveränderung zur Folge haben. In diesem Fall: keine Panik.

Weißlicher, grauer und hellbrauner Stuhl kann ein Anzeichen für einen Mangel an Gallenflüssigkeit und eine Verbindungsstörung von Leber zu Darm sein. In diesem Fall kann es nicht schaden den Arzt aufzusuchen.

Welche Form? 

Eine gesunde Verdauung hat einen TYP 3 oder 4 zur Folge. Hier handelt es sich um ein optimales Verhältnis zwischen Wasser und den restlichen Stoffen.

TYP 1 deutet darauf hin, dass Verdauungsreste sehr lange brauchen um ausgeschieden zu werden (Verstopfung). Ein Grund könnte ein Mangel an Ballaststoffen in der Ernährung sowie zu wenig Wasserkonsum sein. Auch Unverträglichkeiten können zu einer TYP1 Konsistenz führen.

Bei TYP 7 geht das Ganze etwas schneller und Verdauungsreste werden rasch aus dem Körper transportiert – zu schnell (Durchfall). Nährstoffe können hier nicht mehr optimal aufgenommen werden. Unter anderem Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Infekte oder auch Stress können Durchfall zur Folge haben.

Continence Foundation of Australia. Quelle:

Was passiert danach?

Unser Stuhl sollte nicht unbedingt rasch auf den Boden der Toiletten Schüssel sinken. Das würde auf reichlich unverdaute Nahrung hindeuten. Schwebt unser Stuhl, dann ist das auf Darmbakterien zurückzuführen die Gasbläschen bilden und ihre Arbeit gut erledigen. Vorausgesetzt man leidet nicht ständig unter Blähungen. Dies könnte wieder ein Anzeichen für eine Unverträglichkeit oder dergleichen sein.

Wie kann ich meinen Toilettengang optimieren? 

  • Erstmal gilt es richtig auf der Toilette zu sitzen. Die Sache ist die … die Toilette oder der Thron wie wir ihn heute kennen, wurde erst im 19. Jahrhundert in unseren Breitengraden eingeführt. Im Urlaub trifft man ab und an noch auf die ursprünglichen Sanitäranlagen die einen dann aber meist in eine Schockstarre verfallen lassen weil sie uns so “veraltet” vorkommen. Im Grunde findet man da dann nur ein Loch im Boden vor. So eine schlechte Idee ist diese Version des stllen Örtchens aber nicht um ehrlich zu sein. Es geht da um die Haltung die unser Körper einnimmt. Unsere gemütliche Sitzposition auf der Standard- Toilette führt nämlich dazu, dass wir unseren Darm abknicken und ihn verschließen. Diese Fehlhaltung kann unter anderem zu Verstopfung, Hämorrhoiden und zu einem gewaltigen Kraftaufwand führen der während dem Toilettengang aufgewendet werden muss. Ändern wir unsere Sitzposition in eine “ursprüngliche” Hockposition verhindern wir einen Knick in unserem Darm und unser Toilettengang wird dadurch nicht nur leichter und schneller, sondern die Entleerung wird auch vollständiger. Letzteres kann vor allem wichtig sein um entzündliche Darmerkrankungen zu vermeiden. Weiters schützen wir so unseren Dünndarm vor einer Verunreinigung da die sogenannte Ileozäkale Klappe zwischen Darmabschnitten anständig geschlossen wird. Es reicht schon ein kleiner Hocker den man neben der Toilette stehen hat um während des Vorgangs die Füße höher zu stellen. So kann der Darm die richtige Position einnehmen und alles läuft wie es soll.
  • Mehr Wasser kann auch nicht schaden. Gut 2 Liter pro Tag dürfen es in jedem Fall sein. Mehr wenn es besonders heiß ist oder wir uns viel bewegen und schwitzen. Kamillen Tee kann außerdem dabei helfen die die Muskeln des Dickdarms zu entspannen. Außerdem sollten wir während einer Mahlzeit nicht zu viel trinken. Das kann unsere Verdauungsenzyme in ihrer Funktion einschränken.
  • Körperliche Aktivität fördert die Peristaltik (Darmbewegung) und hilft dabei das Ganze in Schwung zu bringen. Gleiches gilt für eine Bauchmassage. Dazu einfach die Hände auf den Bauch legen und im Uhrzeigersinn massieren. Vor allem Rotationen die sich vor allem in Yoga oder auch Pilates finden sind eine schöne Möglichkeit um die Verdauung in Schwung zu bringen.
  • Mit der richtigen Atmung können wir außerdem die sogenannte “Rest und Digest” Funktion in unserem Körper aktivieren. Dazu reicht es schon tief ein- und auszuatmen. So aktivieren wir unser parasymphatisches Nervensystem und das ist wichtig für besagte Funktion. Schon morgens 10 tiefe Bauchatemzüge zu nehmen, ist ein heißer Tipp um für eine gute Verdauung zu sorgen.

Und im Bereich der Ernährung? 

Naja, da gibt es einiges. In erster Linie sind die folgenden Aspekte wertvoll:

  • Ausreichend Kohlenhydrate. Unsere Schilddrüse ist auf Kohlenhydrate und somit Insulin angewiesen um die aktive Form des Schilddrüsenhormons zu produzieren. Ohne fängt unsere Schilddrüse an faul zu werden und unser Metabolismus verlangsamt sich. Verstopfung ist hier ein klassisches Anzeichen. Weiters liefern uns wertvolle Kohlenhydrate wie Süßkartoffeln, Buchweizen, Hirse oder Topinambur Präbiotika und die dienen unseren Darmbakterien als wertvolles Futter.  Auch sorgen die wertvollen Ballaststoffe dafür, dass unser Stuhlvolumen vergrößert wird und somit das Ganze in Schwung gebracht wird. Mehr zu Präbiotika hier und hier.
  • Ausreichend Fette. Genügend wertvolle Fette wie Olivenöl, Butter, Avocado, Kokosöl zu konsumieren ist essentiell. Fette helfen vor allem dabei Verstopfung entgegenzuwirken. Butter im Speziellen ist darüberhinaus genial um Buttersäure zu bilden und diese ist besonders wichtig für unsere Darmgesundheit.
  • Fermentierte Lebensmittel. Und die sind der Oberhammer. Sauerkraut, Kimchi, Kombucha, Kefir, fermentierte Äpfel … liefern uns wertvolle Paktieren für unseren Darm. Und noch dazu eine ziemliche Vielfalt von besagten Bakterien. Genau diese Vielfalt ist besonders wichtig für eine ausgeglichene Darmflora. Wenn fermentierte Lebensmittel nicht auf der Tagesordnung stehen, zahlt es sich aus in ein gutes Probiotikum zu inivestieren.

Quellen u.a.:

Stool consistency is strongly associated with gut microbiota richness and composition, enterotypes and bacterial growth rates
Gut. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26069274Stool form scale as a useful guide to intestinal transit time. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9299672Colonic health: fermentation and short chain fatty acids. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16633129

Bildquelle: pexels.com

 

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